Mathias Mühlbacher startet bei Segelflug-WM

Mit der B4 in Polen

Ferdinand Hauck

Mathias Mühlbacher nimmt ab dem 27. Juli an der Segelkunstflug-WM im polnischen Toruń teil. Überraschend wurde der 34-jährige vom Deutschen Aero-Club nachnominiert.

Trotz aller Erfolge der Bayreuther Segelflieger in den letzten Jahren (Ausrichtung der Segelflug-WM 1999, Bundesliga-Siege 2002 und 2015, Weltliga-Sieg 2015, Alexander Müllers Europa-Titel im Streckenflug 2010 und 2014) ist Mühlbacher das erste Bayreuther Nationalmannschaftsmitglied aus der LSG-Segelfluggruppe und damit auch der erste Bayreuther WM-Teilnehmer in einer Segelflug-Disziplin.

Während der Segelkunstflug am Bindlacher Berg bislang etwas im Schatten der Streckenflieger stand, hat sich Mühlbacher durch beständiges Training und konsequente Fortbildung ein großartiges Können in dieser Disziplin angeeignet. Zum Trainieren geht er meistens erst abends an den Start, wenn die Streckenflieger wieder daheim sind und die Thermik sich beruhigt hat.

Auf 1.000 Meter Höhe zieht ihn das Schleppflugzeug. Ein Kilometer breit, ein Kilometer lang und ein Kilometer hoch: Genau einen Kubikkilometer Rauminhalt hat der Bereich, den Tower und Flugsicherung für Mühlbacher frei halten. Darin zaubert er seine Figuren an den Himmel: Loopings, Aufschwünge, Abschwünge, Rollen, Turns, was der Flieger hergibt. Eine gefühlte Ewigkeit kann er seine Pilatus B4 im Rückenflug halten. Und wenn er seinen Flieger senkrecht nach oben zieht, bis zum Stillstand, kann auch er nur bedingt darauf Einfluss nehmen, ob es ein „Männchen“ oder ein „Weibchen“ wird, sprich ob der Flieger nach vorne oder nach hinten wegkippt. Diese Manöver in voller Präzision zu steuern und in den entscheidenden Momenten dem Flieger den eigenen Willen aufzwingen, das ist die Kunst im Kunstflug.

Für den Diplom-Ingenieur ist der Segelkunstflug eine besondere Form, die Grenzen des Flugzeugs zu erkunden und die Grenzen des eigenen fliegerischen Könnens zu erweitern. Seine B4, Baujahr 1973, ist dabei eher ein Oldtimer unter den Kunstflugzeugen. Mit ihrer Metallbauweise ist sie ohnehin ein Exot inmitten der moderneren Flugzeuge aus Kunststoff. Ein Umstieg auf ein moderneres Flugzeug kam für ihn vor der WM aber nicht mehr in Frage, da der Erfolg wesentlich davon abhängt, wie gut der Pilot sein Flugzeug kennt. Wie konkurrenzfähig die B4 noch ist, wird er erst in Toruń erfahren.


Verabschiedung von Mathias Mühlbacher am Flugplatz kurz vor seinem Aufbruch nach Polen

Mühlbacher ist selbst seit 12 Jahren Fluglehrer und bringt den Flugschülern zunächst das „normale“ Segelfliegen bei, außerdem ist er seit knapp drei Jahren Vorsitzender der Segelfluggruppe innerhalb der Luftsportgemeinschaft. Auf Landesebene zählt er zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Segelkunstflug Bayern und hat sich somit seine eigene Austauschplattform mit Gleichgesinnten geschaffen. Die Mitglieder kommen regelmäßig zu gemeinsamen Trainingslagern zusammen.

 Zur Segelkunstflug-DM 2016 kam der sportliche Durchbruch: Völlig unerwartet landete Mühlbacher in Gera auf dem siebten Platz der Advanced-Klasse, in mehreren Einzelprogrammen wurde er sogar Dritter. Damit kam er in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Das Nachrücken zur WM war da eher eine theoretische Möglichkeit – nun ist sie kurzfristig doch wahr geworden und Mühlbacher darf innerhalb der Kunstflug-Weltelite präsentieren, was er „heimlich“ in einem Kubikkilometer Luft am Himmel über Bindlach geübt hat.