Bundesliga-Rundenbericht 01/2019

Bayreuther Bundesliga-Flieger mit schnellen Flügen Richtung Erzgebirge

Ferdinand Hauck

Einen guten Start in die neue Bundesligasaison erwischten die Bayreuther Segelflieger. Ein dritter Rundenplatz in der nationalen Wertung, sowie ein vierter Platz in der Weltliga zeigen, dass die Piloten vom Bindlacher Berg das schnelle Fliegen über die Winterpause nicht verlernt haben und dass die Motivation nach dem letztjährigen Gewinn der beiden Ligen noch immer hoch ist. Die Sensation der Runde gelang jedoch einem benachbarten Aufsteiger.


Am Karsamstag waren sich die Piloten in Bayreuth beim morgendlichen Briefing noch unschlüssig, wo die besten Aufwinde zu finden sein würden. Laut Vorhersage sollte sich kein einziges Wölkchen am blauen Himmel zeigen und zudem starker Ostwind die Bildung der Thermik behindern. Nur fünf Piloten versuchten am späten Samstagnachmittag einen Ausflug gegen den Wind in Richtung Erzgebirge. Leider musste Friedhelm Lotte bald wieder in Bayreuth landen und auch ein zweiter Versuch endete ohne gefundenen Aufwind. Erst nach dem dritten Versuch konnte er den Vorausfliegenden folgen.


Jörg Bachsteffel fand sich nach einem langen Gleitflug in Bodennähe bei Hof wieder und brauchte lange Zeit, um überhaupt wieder in größere Flughöhe zu kommen. Johannes Baier musste nach zwei Stunden Flugzeit sogar seinen kleinen Hilfsmotor ausklappen, um wieder nach Bayreuth zurückkehren zu können. Durch den Motoreinsatz ist seine bis dahin erflogene Bundesligawertung ungültig geworden.


Nur Sebastian Baier und Heiko Hertrich schafften einen direkten Einstieg in die besseren tragenden Linien des Erzgebirges. Nördlich von Karlsbad gab es zur Überraschung aller sogar einzelne kleine Cumuluswolken, welche die kräftige Thermik anzeigten. Bis fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel konnten Baier und Hertrich steigen und damit schnell bis südlich Dresden vorfliegen. Mehrfach begegneten sie dabei den Piloten aus Bamberg, Lichtenfels und Erbendorf, die natürlich auch dieser guten Aufwindlinie folgten.

Hertrich traf bereits im Fichtelgebirge auf den Bamberger Konkurrenten Frank Schmitz, der die einsitzige Version von Hertrichs Doppelsitzer fliegt. Durch die nahezu identischen Flugleistungen und das offenbar gleiche Flugziel Erzgebirge flogen beide über mehr als drei Stunden in sehr engem Teamflug. Zunächst ohne jegliche Absprache, gelang es im Laufe des Fluges gegenseitigen Funkkontakt herzustellen und sich immer besser miteinander abzustimmen. Hertrich ging fest davon aus, damit eine ähnlich schnelle Bamberger Wertung zu befördern. Was er aber nicht wissen konnte: Schmitz hatte bereits kurz nach dem Start seinen Hilfsmotor gebraucht und damit keine gültige Bundesliga-Wertung. Hertrich konnte dagegen mit 108,65 km/h die drittschnellste Wertung der Bundesliga erreichen.


Heiko Hertrich traf während seines Fluges zufällig auf Bamberger Bundesligakonkurrenten (Flugzeug links), mit denen er gemeinsam das Erzgebirge ansteuerte.



Die abendliche Zwischenwertung zeigte, wie goldrichtig die Entscheidung für eine Flugstrecke ins Erzgebirge war. Die LSG Bayreuth mit den Wertungen von Hertrich, Sebastian Baier und Lotte landete auf Platz drei. Nur die Alpen produzierten bessere Verhältnisse. Das Segelflugzentrum Königsdorf konnte knapp schnellere Geschwindigkeiten vorweisen und lag zwischenzeitlich auf Platz 1. Aufmerksam registriert haben die Bayreuther aber das bessere Abschneiden der direktesten Nachbarn: Die Aufsteiger von der SFG Steinwald standen am Samstag Abend zwischen Königsdorf und Bayreuth auf Rang zwei.


In Erbendorf hat sich still und heimlich durch die Fusion der beiden ursprünglichen ortsansässigen Vereine die Segelfluggruppe Steinwald formiert, die aus der Quali-Liga kommend, im letzten Jahr den Meistertitel der 2. Bundesliga und damit den Aufstieg in die 30 Vereine starke 1. Liga schaffte. Ihr Ziel, jetzt auch sofort den obersten Meistertitel zu holen, wird schon am ersten Tag der Saison klar.


Auf diesem Zwischenerfolg konnte sich aber keine der Mannschaften ausruhen. Bei Hochdruckwetterlagen ist nie klar, wie sich das Wetter am nächsten Tag entwickeln würde. Also war absehbar, dass alle Konkurrenten eine Verbesserung der Ergebnisse probieren würden. Die Mannschaft der LSG setzte dabei geschlossen auf Flüge Richtung Erzgebirge. Andreas Baier verstärkte nun das Team und hatte sogleich Erfolg. Genauso wie sein Bruder Johannes, der seine Scharte vom Samstag ausmerzen wollte. Tatsächlich konnten die beiden mit ihren Flügen von 100,0 (Johannes Baier) und 96,0 km/h (Andreas Baier) die Mannschaftsleistung auf 304,7 km/h verbessern.

Da sich auch die Steinwälder (333,0) und Königsdorf (329,0) leicht verbessern konnten, bleib es schlussendlich beim dritten Rundenplatz mit einigem Abstand zu Platz 4, den der Vorjahreszweite LSR Aalen mit 266,9 km/h einnimmt. Die Steinwälder schafften schließlich die kleine Sensation, als Aufsteiger gleich mit einem Rundensieg zu starten.

Der Luftsportring Aalen, der im letzten Jahr sehr knapp, erst in der allerletzten Runde, von Bayreuth überholt werden konnte, kann damit in der Tabelle sofort wieder die Tuchfühlung halten. Auch die Dauerrivalen aus Schwäbisch Gmünd, Donauwörth und dem Schwarzwald lassen mit Platzierungen unter den besten 10 ihre Ambitionen auf den Meistertitel gleich wieder aufhorchen.


Überraschend gut fiel auch das Bayreuther Ergebnis in der World-League aus. Dank zweier schneller Flüge von Alexander Müller (111,3) und Wolfgang Class (104,4) aus ihrem Frühjahrsflugdomizil Lienz in Österreich kann die LSG Bayreuth international 324,4 km/h vorweisen, aber leider keinen Platz auf Königsdorf oder Erbendorf gut machen. Mit 344,9 km/h belegt aber der amerikanische Club Black Forest Soaring aus Colorado den 1. Platz der Weltliga, dahinter folgen sofort die drei ersten der Bundesliga. Somit kann sich die LSG Bayreuth auf dem vierten Rundenplatz zum Start wertvolle 37 Punkte gutschreiben und einen guten Abstand zu den weiteren deutschen Konkurrenten herstellen, weil auf den folgenden Plätzen viele Mannschaften aus Italien, Frankreich, Österreich und Slowenien, sowie einige deutsche Zweitligavereine folgen, die sich alle erfahrungsgemäß am Ende der Saison nicht unter den Titelanwärtern befinden dürften.

Ob die Luftsportgemeinschaft Bayreuth als Bayreuther Sportmannschaft des Jahres 2018 ihre Meistertitel verteidigen kann, wird sich erst im Sommer zeigen. Die Leistungsdichte nimmt gerade in der 1. Segelflug-Bundesliga immer mehr zu und die Titelmotivation einiger Mannschaften ist so hoch wie nie.