Bundesliga-Rundenbericht 06/2019

Aalen und Bayreuth wieder Spitzenduo

Ferdinand Hauck

In nicht einfach zu fliegenden Wetterverhältnissen gelingt der Luftsportgemeinschaft Bayreuth in der Segelflug-Bundesliga ein guter neunter Rundenplatz und die Verbesserung auf Tabellenplatz zwei. Vor der LSG liegt mit dem LSR Aalen der Dauerkonkurrent der Bayreuther. Das Duell zwischen Oberschwaben und Oberfranken kann also weitergehen.


Die Prognosen der Meteorologen waren so gut, dass die Bayreuther Langstreckenpiloten schon sehr früh zu ihren Flügen aufbrachen. Alexander Müller stellte aber schon bei Suhl fest, dass die Thermik einfach nicht das machte, was in der Vorhersage stand. So mühte er sich in niedrigsten Höhen und oft unter Gipfelhöhe des Thüringer Waldes lange ab. Auch eine Richtungsänderung nach Süden brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach einem frühen Rückflug stellte Müller seine Wertung durch Starten des Hilfsmotors bewusst zurück auf Null und konzentrierte sich auf einen reinen Bundesligaflug.


Zwischen Karlsbad und Bamberg manövrierte er seinen Hochleistungssegler vom Typ EB29 so geschickt durch die mäßige Thermik, dass am Ende immerhin 103,7 km/h zu Buche standen.


Auch Heiko Hertrich schaffte im großen Doppelsitzer eine Durchschnitts-geschwindigkeit von knapp über 100 km/h. Konsequent flog er weit nach Westen gegen den starken Wind, um dann mit Rückenwindhilfe einen schnellen Flugschenkel bis an die tschechische Grenze zu absolvieren. Dann beschloss Hertrich einen kurzen Gegenwindschenkel, um danach wieder mit Schub von hinten die Wertungszeit zu beenden. Leider ging sein Plan nicht ganz auf, weil auf dem Weg von Bayreuth nach Bamberg nur sehr schwache Aufwinde anzutreffen waren. So verringerte sich die anfängliche Leistung von über 110 auf 100,98 km/h.


Georg Baier (vorne), Andreas Baier (hinten) und Heiko Hertrich diskutieren unmittelbar vor dem Start über die Wetterlage und den richtigen Flugweg


Leider hatten auch alle anderen Bayreuther mit der unstrukturierten Wetterlage mehr oder weniger Probleme. So musste Wolfgang Clas bei Kitzingen gar seinen Motor anlassen, um eine Landung in der Wiese zu vermeiden. Dadurch kam für ihn keine Bundesligawertung zustande. Auch die sonst schnellen Johannes Baier und Friedhelm Lotte mussten mitten in der Wertungszeit mehrfach das Tempo herausnehmen, um mit schwachen Aufwinden wieder genügend Höhe für einen Weiterflug zu gewinnen.

Ganz übel traf es das Brüderteam Georg und Andreas Baier im Vereinsdoppelsitzer. Während ihres gesamten Fluges schafften sie es nicht einmal in ausreichend Höhe zu gelangen, um einen schnellen Vorwärtsflug anzuschließen. So bleib nur Sebastian Baier übrig, um einen dritten schnellen Flug für die Mannschaftswertung einzureichen.


Er war die erste Flughälfte auch ausgesprochen gut unterwegs und wollte die hohe Geschwindigkeit auch weiterhin halten. Dafür darf ein Pilot aber nicht in schwachen Aufwinden kreisen, sondern muss solange weitergleiten, bis eine starke Thermikblase ihn in kurzer Zeit wieder nach oben befördert. Allerdings führt ein langer Gleitflug zu immer niedrigerer Höhe, womit auch das Auffinden von Aufwinden erschwert wird. So ging es auch Sebastian Baier. Zu langes Gleiten brachte ihn immer weiter nach unten, bis er zu tief war und schnell entscheiden musste, ob ein Weiterflug sich lohnt, oder das Risiko einer Außenlandung doch zu groß ist. Er gab klein bei und glitt mit der Resthöhe gerade noch bis zum Flugplatz Bayreuth. Trotzdem erzielte Sebastian Baier mit 95,2 km/h die drittbeste Leistung der LSG-Mannschaft.


Mit 299,88 km/h Gesamtleistung schafft es das Bayreuther Team auf Rundenplatz 9 und kann sich 12 Punkte gutschreiben. Weil die bisherigen Tabellenführenden aus Niedersachsen etwas Federn lassen mussten, kann sich Bayreuth mit nun 79 Punkten auf Tabellenplatz 2 verbessern. Wieder auf Platz 1 liegt der Finalkonkurrent aus 2018 LSR Aalen mit 82 Punkten. Die Schwaben konnten 309,4 km/h erzielen und sich 17 Punkte für Rundenplatz 4 notieren. Rundensieger wurde der FLC Schwandorf (334,2 km/h) vor der SFG Stadtlohn (320,9) und der FG Schwäbisch Gmünd (312,9).

International ergab sich eine ähnliche Reihenfolge, nur unterbrochen durch die Mannschaft von Tehachapi Southern Soaring aus Kalifornien (USA) auf Rundenplatz 2. Auch hier kann Bayreuth gute 30 Punkte für Platz 11 erzielen und liegt in der World-League-Tabelle mit 142 Punkte auch auf dem zweiten Platz. Tabellenführer der World League ist aufgrund der abweichenden Punktwertung jedoch nicht Aalen, sondern der LSV Rinteln aus Niedersachsen mit 146 Punkten.

Erstmalig in dieser Saison kann auch ein Bayreuther Juniorenteam aus Riikka Hertrich (51,1 km/h) und Fabian Eichmeier (27,6 km/h) in der bundesweiten U25-Liga punkten. Für Rundenplatz 56 gibt es zwar nur einen Punkt, aber ein Anfang für den Nachwuchs ist damit gemacht.