Bundesliga-Rundenbericht 19/2019

LSG Bayreuth schließt Bundesliga-Saison als Dritter ab

Ferdinand Hauck

Mit einem erneuten Rundensieg und nun 29 Punkten Vorsprung eilt der LSV Rinteln der LSG Bayreuth in der vorletzten Bundesliga-Runde uneinholbar davon. Rinteln wird Meister, Bayreuth kann im Kampf um den Vizetitel mit einem neuen Flugstil ein paar Punkte gut machen.


Die Meteorologen gaben eigentlich dem Süden und Südosten die besseren Chancen auf Thermik, aber selbst das eher am Sonntag. Bayreuths Meteorologe Lothar Schmidt erkannte aber gleich den Pferdefuß an dieser Vorhersage: Der Deutsche Wetterdienst berücksichtigt in der Prognose nur die von der Sonneneinstrahlung ausgelösten Aufwinde. Die Ablenkung des Windes nach oben durch Gebirge können sich Segelflieger aber auch zu Nutze machen - und diese Hangaufwinde passten erneut für den Tabellenführer aus dem Weserbergland.

Bereits am Samstag legten sie mit drei Flügen zwischen 123 und 107 km/h entlang der nördlichen Kante des Teutoburger Waldes vor, während in Bayreuth nichts ging. Da die LSG mindestens sechs Punkte auf Rinteln hätte herausholen müssen, um nächste Woche überhaupt noch um den Titel mitspielen zu können, war damit die Meisterschaft gelaufen.


Trotzdem ist weiterhin die Motivation da, um wenigstens den Vizetitel zu sichern - und die nötige Kreativität. Alexander Müller schlug schließlich in der WhatsApp-Gruppe des Bundesliga-Teams vor, es auch mit Hangflug zu probieren - und das an Stellen, wo es sich die Bayreuther bislang noch nicht getraut hatten. In der Vergangenheit hatten die Bayreuther ihre Hangflüge bei entsprechenden Wetterlagen spätestens an der Radspitze bei Kronach abgebrochen, um die gleiche Linie zurück zu fliegen. Das hätte dieses Wochenende nicht gereicht. Drum probierten es die Bayreuther erstmals über Kronach hinaus und wagten den Sprung an den Thüringer Wald. Während die LSG-Piloten die Verhältnisse dort bei von der Sonne hervorgerufener Thermik bestens kennen, mussten sie ihre "Rennstrecke" nun aus neuer Perspektive erkunden: Beim Hangfliegen geht es in niedriger Höhe über das Gelände und die Stellen, wo es nach oben geht, müssen mit sehr viel Konzentration und Feingefühl erflogen werden. Außerdem steht das Flugzeug fast quer zur Flugrichtung, weil es die Versetzung durch den Wind ausgleichen muss, der bei solchen Aufwinden immer stark von der Talseite her kommen muss, um besagte Hangaufwinde zu erzeugen.



Teamkapitän Heiko Hertrich, hier mit seiner Frau Susanne, war in der letzten Bundesliga-Runde mit 107,20 km/h der schnellste Bayreuther


Diese neue Taktik ging sehr gut auf. Der Wind kam am Sonntag mit 25-45 km/h aus einer Richtung von 230 bis 240° und stand damit fast rechtwinklig auf Thüringer und Frankenwald. Vier Flugzeuge brachen schließlich auf, diese Wetterlage auszufliegen.

Wie so häufig war Alexander Müller der erste am Start. Er folgte seinem eigenen Vorschlag zunächst bis Suhl, flog zurück bis Kronach, noch einmal bis kurz vor Suhl und anschließend wieder heimwärts.

Daheim machte er sich einen Trick zu Nutze, den ihm nur sein Hilfsmotor erlaubte: Durch kurzes Starten des Triebwerks konnte er ohne Landung eine zweite Wertung beginnen und flog praktisch das gleiche nochmal, konnte dabei auf die Erfahrungen vom ersten Mal zurückgreifen und hatte zur späteren Uhrzeit auch ab und an "normale" Thermik. "Ich habe die verschiedenen Höhenbänder probiert und fand am effektivsten den Bereich zwischen 700 und 1.000 m NN. Fliegt man zu hoch, wird es schwieriger den optimalen Bereich zu finden. Fliegt man zu tief, besteht die Gefahr, den nächsten Steigbereich unter der Kammlinie anfliegen zu müssen und dann kommt auch der Talboden schnell näher." beschreibt Müller die Schwierigkeiten eine gute Linie zu finden.


Das Wertungssystem hat schließlich den zweiten Teilflug als minimal schneller gewertet, so dass Müller mit 103,98 km/h in die Wertung einging.

Wolfgang Clas musste seinen Flug aus anderem Grund zweiteilen: Er kam am Übergang zwischen Frankenwald und Thürigner Wald einmal zu tief und musste seinen Motor starten, um eine Außenlandung zu vermeiden. Um eine zweite Wertung beginnen zu können, musste er seinen Motor im Startkreis rund um den Flugplatz Bayreuth nochmal zünden und war in der dann folgenden neuen Wertung mit 97,18 km/h zweitschnellster Bayreuther.

Erneut war es Sebastian Baier, der mit dem neuen Leistungsdoppelsitzer vom Typ Arcus an den Start ging und sich den dritten Platz in der Wertung sichern konnte. Ebenfalls im Hangflug am Thüringer Wald kam er auf 85,18 km/h.


Die Summe von 286,34 km/h reichte schließlich als schnellster süddeutscher Verein für Rundenplatz fünf. Bayreuths Verfolger Burgdorf wurde nur Rundensiebenter, so dass Bayreuth nun mit drei Punkten Vorsprung statt zuvor einem in die letzte Runde gehen kann. Dabei geht es für die beiden Clubs allerdings nur noch um den Titel des Vizemeisters. War Bayreuth in den Nullerjahren fast schon auf den Vize abonniert, wäre es in diesem Jahrzehnt das erste Mal und damit die drittbeste Saison nach den beiden Meistertiteln.

Rinteln hat mit fünf Rundensiegen die Bundesliga 2019 absolut verdient gewonnen. Vor allem den letzten drei Rundensiegen in Folge hatten die Bayreuther angesichts der Wetterlage nichts entgegen zu setzen. Zum Wetterglück der norddeutschen Vereine kam bei den Rintelnern eine sehr gut ausgefeilte Taktik, welche eben auch bei Hangflug-Wetterlagen die Gebirge der Umgebung für Bundesliga-Wertungen nutzbar machte.


Der Kopf des niedersächsischen Teams ist mit Reinhard Schramme ein langjähriges Nationalmannschaftsmitglied und Stammgast des Bayreuth-Wettbewerbs; im letzten Jahr nahm er auch den Siegerpokal der Standardklasse mit heim. Er, selbst früher für den LSV Bückeburg-Weinberg am Start, hat es geschafft, viele gute Piloten anderer nord- und westdeutscher Vereine nach Rinteln zu holen, wie die zweifache Frauen-Weltmeisterin Christine Grote, den ehemaligen Clubklasse-Weltmeister Arndt Hovestadt, Frerk Frommholz, zuvor eine der tragenden Säulen der vier Burgdorfer Meistertitel, den ehemaligen Deutschen Vize-Meister und WM-Teilnehmer Stephan Beck und den früheren Bundestrainer Uli Gmelin. Solche "Transfers" sind im Segelflug eher unüblich. Letztlich hat aber auch die LSG Bayreuth durch die Wechsel von Alexander Müller und Wolfgang Clas von der Burg Feuerstein zum Bindlacher Berg vor rund zehn Jahren enorm profitiert, wie auch das Ergebnis dieser Woche zeigt.

International wird das Bayreuther Ergebnis noch durch den letzten Urlaubsflug von Heiko Hertrich in Südfrankreich aufgebessert: 119,89 km/h in den französischen Seealpen war besser als alles, was in Bayreuth erreichbar war. In der World League brachte die Summe von 321,05 km/h immerhin Rundenplatz neun und 32 Punkte. Rundensieger war hier Black Forest Soaring aus Colorado, USA, gefolgt vom heißen Titelaspiranten Moriarty Soaring aus New Mexico, USA und der Soaring Society of Boulder, Colorado, USA. Erst auf Rundenplatz vier folgt Rinteln, das damit in der World League zwar weiterhin führt, aber mit nur noch zwei Punkten Vorsprung in Runde 19 doch noch etwas zu verlieren hat. Bayreuth steht weltweit weiterhin auf Platz vier, kann sich allerdings in der letzten Runde nicht mehr verbessern.