Rundenbericht 01/2017

Baier-Brüder erfliegen 12 Punkte

Ferdinand Hauck

Für die Segelflieger der Luftsportgemeinschaft Bayreuth war der Beginn der Bundesligasaison 2017 alles andere als ein Vergnügen. Kaltes Wetter, gepaart mit Regen- und Schneeschauern, lädt nicht gerade zum Fliegen ein. Nur zwei Piloten konnten halbwegs brauchbare Flugstrecken zurücklegen und erzielten trotzdem einen beachtlichen neunten Rundenplatz.

Als am Nachmittag des Ostersonntags eine schauerfreie Lücke auf dem Satellitenbild zu erkennen war, beschlossen die wenigen am Flugplatz anwesenden Piloten, wenigstens zwei Segelflugzeuge aufzubauen. Andreas und Georg Baier starteten kurz darauf im Flugzeugschlepp und konnten auch gleich gute Aufwinde finden. Jedoch gestalteten sich ihre Flüge dann doch zu einem Slalomflug um die immer wieder kurzfristig entstehenden Schauer. Andreas Baier musste schon bei Kulmbach wieder umkehren. Dann konnte er allerdings eine gute Strecke mit dem Wind bis nach Weiden zurücklegen. Sein Bruder Georg versuchte es ebenfalls mit dem Wind, musste aber schon bei Grafenwöhr umkehren, damit noch eine Chance auf das Erreichen des Bayreuther Flugplatzes bestand. Beide Piloten landeten schon nach zwei Stunden wieder in Bayreuth, weil weitere kräftige Schneeschauer keine ausreichende Flugsicht zuließen. So wurden die durchaus guten Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 70 km/h auf die Bundesliga-Mindestwertungszeit von 2,5 Stunden heruntergerechnet. Die Bayreuther Mannschaftsleistung von 108,7 km/h summiert sich so nur aus den beiden Flügen von Andreas Baier (57,5 km/h) und Georg Baier (51,2 km/h).

Weil viele Vereine der Segelflug-Bundeliga es auch nicht schafften, in voller Mannschaftsstärke von drei Piloten zu punkten, kann man die erzielten 12 Tabellenpunkte aus dem neunten Rundenplatz noch als Erfolg werten. Immerhin stellt Bayreuth die beste Zwei-Mann-Mannschaft der 1. Liga. Da der Abstand zur achtplatzierten SFG Giulini Ludwigshafen satte 62 km/h beträgt, hätte ein dritter Flug in der Geschwindigkeitsklasse der Baiers auch nicht mehr Punkte gebracht. Gewonnen haben die erste Runde der neuen Saison drei Mannschaften aus Niedersachsen. Eine größere schauerfreie Lücke verschaffte dem Aufsteiger Flugverein Celle (277,8 km/h), dem Luftsportverein Rinteln (266,8) und dem Luftsportverein Gifhorn (243,1) die ersten drei Plätze. Bester bayerischer Verein auf Rundenplatz 5 wurde das Segelflugzentrum Königsdorf (211,8 km/h). Mit dem Minimaleinsatz in Bayreuth konnten alle anderen bayerischen und fränkischen Erstligisten auf Distanz gehalten werden. Bamberg (99,7) und Donauwörth (97,1) brachten ebenfalls nur zwei Piloten in die Luft. Titelverteidiger Burgdorf scheint den Saisonbeginn fast verschlafen zu haben. Michael Möker konnte zwar mit 106,27 km/h den besten Rundenschnitt der gesamten Bundesliga erreichen, war aber der einzige Vertreter des amtierenden Meisters, womit Burgdorf sich direkt hinter Bayreuth auf Platz 10 einreihen darf. Nur 16 der 30 Erstligavereine kamen überhaupt in die Wertung.

Erstaunlicherweise gab es für die Bayreuther in der World League auch zwölf Punkte, obwohl einige Vereine aus den USA, Italien, Australien und selbst den Niederlanden noch vor Bayreuth liegen. Grund hierfür ist der Flug von Alexander Müller, der sich immer noch im slowenischen Lesce-Bled auf einem Alpenfluglager befindet. Mit 103,84 km/h, geflogen in den Karawanken, ergänzte er das Bayreuther Weltliga-Ergebnis auf 212,56 km/h, was für Platz 29 und damit zwölf Weltliga-Punkte reicht. Rundensieger und damit erster Tabellenführer wurde die Soaring Society of Boulder aus Colorado.

 In der Einzelwertung der europäischen Streckenflieger liegt Müller mit diesem Flug nunmehr auf Platz drei, direkt gefolgt von Clemens Pape, der zwar für den FSV Unterjesingen startet, aber in Bayreuth studiert.