Rundenbericht 02/2016

Segelflug-Bundesliga: Große Strecken trotz Schneetreiben

Ferdinand Hauck

Nach der Nullrunde zum Auftakt der Segelflug-Bundesligasaison 2016 wollten die Bayreuther Titelverteidiger in der zweiten Runde unbedingt punkten, um den Abstand zur Tabellenführung nicht zu groß werden zu lassen. Trotz sehr schwieriger Wetterbedingungen gelang dies mit Rundenplatz 7 eindrucksvoll.

Nach dem völlig verregneten Samstag machten die Piloten ihre Flugzeuge am Sonntagmorgen zum Fliegen bereit. Auf dem Regenradar war eine heranziehende Lücke erkennbar, die als Startfenster genutzt werden sollte. Als mittags erste Thermikansätze erkennbar wurden, starteten kurz hintereinander Alexander Müller, Heiko Hertrich, Johannes Flieger und Sebastian Baier vor dem nächsten Schneeschauer. Andreas Baier schaffte es schon nicht mehr und musste sein Flugzeug unverrichteter Dinge wieder im Transporthänger verstauen.

Die Bayreuther Flotte flog inzwischen weg von der aus Norden anrückenden Schneefront. Tatsächlich fanden Müller, Hertrich und Baier ab Weiden gute Aufwinde und konnten ihre Flüge Richtung Regenburg ausdehnen. Nur Jungpilot Johannes Flieger schaffte den Anschluss an einen guten Aufwind bei Windischeschenbach nicht mehr und entschied sich zur Landung auf dem Flugplatz Weiden. Dort waren die Kameraden sehr hilfreich. Sie packten ihr Schleppflugzeug aus und zogen Flieger vor den nächsten Schauern wieder in die Luft. Er konnte noch einen schönen Flug bis nach Primda in Tschechien fortsetzen, musste aber auf seinem Rückweg nach Bayreuth wieder mit einem schwachen Aufwind bei Waidhaus kämpfen. Nach einer Stunde ohne großen Fortschritt landete er auf einem schönen Acker südlich von Tirschenreuth.

Müller steuerte sein Flugzeug mit dem starken Wind fliegend Richtung Bayerischer Wald. Dort wurde er aber auch durch einen großen Schneeschauer gebremst und musste ins Donautal ausweichen, wo die Thermik überraschend gut funktionierte. Bis 2.000 Meter hoch konnte Müller unter guten Aufwinden steigen und seinen Flug donauaufwärts bis Neuburg fortsetzen. Der Rückflug nach Bayreuth gestaltete sich schwierig. Schlussendlich kapitulierte Müller bei Grafenwöhr und startete sein Klapptriebwerk. Mit großem Umweg über Amberg und Pegnitz gelang ihm schließlich der Durchbruch durch eine weitere Regen- und Schneefront zurück nach Bayreuth. Die gute Mitwindstrecke und der schnelle Schenkel entlang der Donau verhalf Müller aber trotzdem zur besten Bayreuther Leistung mit 100,3 Stundenkilometer Durchschnittsgeschwindigkeit über die 2,5-stündige Bundesliga-Wertungszeit. Auch Sebastian Baier musste nach einem guten Flug bis Schwandorf und nach Tschechien auf dem Rückweg kurz vor Bayreuth seinen Hilfsmotor starten. Er drang zwar in genügend Höhe bis zum Golfplatz vor, aber da der Flugplatz durch einen heftigen und länger anhaltenden Schneeschauer überhaupt nicht zu sehen war, entschloss sich Baier nach Speicherdorf auszuweichen, um auf dem dortigen Rosenthal-Airfield zu landen. Wie sich herausstellte, war dieses aber wegen eines Autorennens auf der Landebahn gesperrt. Dankenswerterweise organisierte der Veranstalter trotzdem eine kurze Rennpause, damit Baier mit seiner Landung eine zusätzliche, ungeplante Showeinlage für die Zuschauer bieten konnte. Gute 78,1 km/h zeigte die Auswertung des Fluges für Baier an.

Mit 80,6 km/h gelang Heiko Hertrich als einzigem Bayreuther die Rückkehr nach Bayreuth im Segelflug. Viele Umwege musste er dabei in Kauf nehmen. Immer wieder stellten sich Schneeschauer in den Weg. Die besten Bedingungen fand Hertrich östlich von Waidhaus in Tschechien. Der Rückweg nach Bayreuth war längere Zeit durch die Schneefront blockiert, so dass er schon eine Landung in Weiden einplante. Dort machte sich jedoch nochmal eine kleine Lücke nach Norden auf, die Hertrich schnell nutzte. Tatsächlich fand er dann bei Mitterteich noch einmal Anschluss an eine Thermikaufreihung Richtung Marktredwitz und weiter bis zum Schneeberg. Der machte seinen Namen alle Ehre und schnitt den Weg über das Fichtelgebirge ab. Schon wieder zur Landung auf dem kleinen Grasflugplatz von Tröstau entschlossen, bot sich Hertrich knapp über einem Steinbruch plötzlich ein guter Aufwind. Durch die letzte Frontlücke huschend, gelang es ihm unter Ausnutzung der besten Gleitgeschwindigkeit seines Seglers, am Ochsenkopf vorbei und über die Königsheide hinweg, der Anflug auf die Bayreuther Landebahn. Kurz danach deckten drei Zentimeter Schnee das Flugzeug zu und blockierten die weiteren Anflüge von Müller und Baier.

                                         Heiko Hertrich landete kurz vor dem Schneefall am Sonntag nachmittag und der Flieger bekam vor dem Abbau noch einiges ab


Die Summe der drei besten Bayreuther Flüge ergibt genau 259 Stundenkilometer und reicht zu Rundenplatz 7. Damit sind die ersten 14 Punkte im Kasten auf der Jagd nach der Titelverteidigung. Die Rundensieger kommen, wie schon in der ersten Runde, allesamt aus dem Norden Deutschlands. Dort bot der Samstag schon die aktive Kaltluft, allerdings noch ohne so viele Schauer wie am Sonntag im Süden. Sieger ist der Aeroclub Braunschweig mit 312,3 km/h, gefolgt vom Fliegerklub Brandenburg (302,9) und vom Rekordmeister Burgdorf (300,8). Dementsprechend schaut auch die Tabelle nach zwei von 19 Runden aus: Es führt Braunschweig mit 39 Punkten vor Burgdorf (38) und Brandenburg (32). Bayreuth findet sich mit seinen 14 Punkten auf Platz 16 wieder.

Etwas vielfältiger gestaltet sich dieses Jahr die World-League. Normalerweise gehört das Frühjahr den mitteleuropäischen Vereinen. Schon in Runde 1 machten Mannschaften aus Slowenien, Südafrika und den USA auf sich aufmerksam. Diesmal gewinnt ein Verein aus New Jersey. Viele New Yorker Segelflieger zieht es am Wochenende zum 100 km westlich gelegenen Flugplatz Blairstown. Dort erzielte der Aeroclub Albatross, der eigentlich nur in der zweiten amerikanischen Liga fliegt, 360,9 km/h und gewinnt damit die internationale Wertung. Gefolgt werden die Amerikaner von den Schweizern. Die Segelfluggruppe Knonaueramt kann 317,7 km/h erzielen. Dritter wird der Darlington Downs Soaring Club aus Brisbane/Australien (314,5), noch vor dem besten deutschen Klub aus Braunschweig. Erstmalig erscheint auf Rundenplatz 5 sogar eine Mannschaft aus Brasilien auf den vorderen Rängen und weitere Vereine aus den Niederlanden, aus England, Italien und sogar Norwegen tragen sich auf den Punkterängen ein. Bayreuth kann immerhin Platz 25 erreichen und damit die ersten 16 Punkte der World-League-Saison 2016 erzielen.