Rundenbericht 02/2017

Erneuter Kampf mit Schneeschauern

Ferdinand Hauck

Wieder mussten sich die Bayreuther Segelflieger mit einer schwierigen Aprilwetterlage abkämpfen. Sehr kalter Wind, viele Schneeschauer und wenig Aufwinde machten es den Piloten schwer. Weil gerade im oberfränkischen Raum die samstägliche Front nicht recht abziehen wollte, hatten es die Vereine im Norden und Westen Deutschlands viel einfacher und ließen für Bayreuth nur den 17. Rundenplatz mit schwachen 4 Punkten zu.

Mit hohem Aufwand gingen am Bindlacher Berg gleich sieben Piloten auf die Jagd nach schnellen Flügen. Aber gleich nach dem Start fingen die Probleme schon an. Entgegen der Wettervorhersage wollte die dichten Wolken einfach nicht genügend aufreißen, um der Sonne eine Chance zu geben. Sonneneinstrahlung auf den Boden ist aber für die Erzeugung von Aufwinden unabdingbar.

Trotzdem traute sich der Bayreuther Neuzugang Clemens Pape einen Abflug zu. Pape studiert in Bayreuth und ist Mitglied des deutschen Juniorenkaders. Wegen seiner sehr guten Segelflugleistungen im letzten Jahr verfügt er in 2017 über ein Förderflugzeug des Bundesliga-Veranstalters onlinecontest.org und wird daher so oft wie möglich damit in die Luft gehen. Dankenswerterweise unterstützt Pape das Bayreuther Bundesligateam und hat sich schon jetzt als wertvoller Zugang erwiesen. Nach seinem Abflug musste Pape allerdings schon bei Forchheim das in seinen Hochleistungssegler eingebaute Hilfstriebwerk zünden, um eine Außenlandung zu verhindern. Der Bundesligaflug war damit zwar beendet, aber ein Rückflug nach Bayreuth und ein virtueller Wiederstart ermöglichen ihm einen zweiten Anlauf.


Clemens Pape aus dem baden-württembergischen Unterjesingen, hier beim Bayreuth-Wettbewerb 2016, studiert in Bayreuth und startet nun auch für das Bundesliga-Team der LSG. Gleich bei seinem Einstand liefert er den schnellsten Flug des Wochenendes ab. Auch in der Streckenflug-Einzelwertung mischt er die Konkurrenz gehörig auf: Aktuell steht er auf Platz acht der europäischen und nach einem Alpenfluglager auf Rang zwei der französischen Streckenflugwertung.  


Dies nutzte Pape, um mit dem inzwischen gestarteten Heiko Hertrich Richtung Weiden zu fliegen. Dorthin war inzwischen auch Lothar Schmidt unterwegs und meldete etwas bessere Aufwinde im Bereich des Rauhen Kulm. Alle drei flogen gemeinsam über Weiden hinaus, mussten aber an einer Schauerlinie über Flossenbürg wieder abdrehen.

Der Rückweg nach Bayreuth gegen den Wind war schwierig und gelang auch nur Pape und Hertrich. Schmidt musste sein Hilfstriebwerk kurz vor Bayreuth anlassen und landete kurz darauf zusammen mit Hertrich auf dem Flugplatz. Pape entschied sich für einen letzten schnellen Flugschenkel mit dem Wind. Dabei war ihm klar, dass er erneut sein Triebwerk würde zünden müssen, um durch die nun zunehmenden Schneeschauer zurück nach Bayreuth zu fliegen. Papes Ausbeute von 64,3 km/h stellen damit die beste Bayreuther Rundenleistung dar, gefolgt von Hertrich mit 56,0 km/h. Schmidts 49,1 km/h reichen nicht, um in die drei Piloten starke Mannschaft zu kommen, weil Sebastian Baier mit 51,5 km/h etwas schneller war. Obwohl auch Baier am Anfang des Fluges gleich zweimal dem Motor brauchte und auch am Ende nochmals zünden musste, konnte er auf einer ähnlichen Streckenführung etwas schneller fliegen.

Weitere Piloten hatten noch mehr Probleme mit den schwierigen Wetterverhältnissen. Obwohl sich Alexander Müller weit nach Westen ins vermeintlich gute Wetter traute, hatte er ab Schweinfurt große Probleme die richtigen Aufwinde zu finden. Viele Umwege kosteten viel Zeit und damit einen großen Geschwindigkeitsverlust. Mit nur 51,3 km/h kann Müller die Mannschaftsleistung diesmal nicht verstärken. Auch Wolfgang Clas musste zu oft seinen Motor benutzen und fiel damit komplett aus der Wertung. Friedhelm Lotte erwischte es gleich bei Kulmbach. Ohne eingebauten Motor musste er auf dem dortigen Flugplatz ohne Wertung landen.

In Summe bleiben Bayreuth nur schwache 171,8 km/h aus den summierten Flügen von Pape, Hertrich und Baier. Die erzielten 4 Punkte für den 17. Rundenplatz lassen Bayreuth auf Tabellenplatz 14 abrutschen, jedoch mit 16 Tabellenpunkten auf gleichen Niveau wie Platz 12 und 13. Mit 36 Punkten ist das Segelflugzentrum Königsdorf Tabellenführer, nachdem eine Starkwindphase am Alpenrand dort sehr schnelle Flüge entlang der Voralpen ermöglichte. Die Oberbayern wurden mit 318,6 km/h Rundensieger. Dahinter folgen der LSV Schwarzwald (301,4), die SFG Donauwörth-Monheim (295,2) und die SFG Giulini Ludwigshafen (293,1). Die weiteren fränkischen Vereine aus Ansbach (211,4) und Bamberg (209,2) hatten auch ihre Probleme mit dem Wetter und liegen mit den Rundenplätzen 14 und 15 nur knapp vor Bayreuth.

In der World-League gelingt Bayreuth nur der 115. Rundenplatz und macht den guten Einstand aus Runde 1 durch den Rückfall auf Tabellenplatz 55 zunichte. Auch international kann Königsdorf die Runde für sich entscheiden, knapp gefolgt vom deutschen Zweitligisten Stadtlohn und den Schwarzwäldern. Erstmals führt damit die Welt-Tabelle ein deutscher Zweitligist an, noch vor Königsdorf, der Fliegergruppe Wolf Hirth aus Stuttgart und den amerikanischen Vereinen.