Rundenbericht 03/2016

Segelflug-Bundesliga: Segelflieger wieder in der Spitzengruppe

Ferdinand Hauck

Die Bundesligapiloten der Luftsportgemeinschaft Bayreuth sind zurück im Rennen! Ein zweiter Platz in der dritten Runde spült wertvolle 19 Punkte in die Tabellenkasse und hebt Bayreuth auf Gesamtplatz 6.

Wie immer im April sind die Segelflieger den Wetterkapriolen unterworfen. Immerhin wurden ein paar fliegbare Stunden für den Samstag vorhergesagt. Die besten Flugbedingungen sollten dabei im Bayerischen Wald zu finden sein. Allerdings würde eine anrückende Front aus Westen den Nachmittag schon wieder schwierig gestalten.

Deshalb beschloss das Bayreuther Team früh zu starten. Alexander Müller, Lothar Schmidt und Friedhelm Lotte waren die ersten in der Luft. Leider entwickelte sich die Thermik im fränkischen Raum aber noch nicht so gut, um schnell Richtung Weiden zum Bayerischen Wald abfliegen zu können. Im Gegenteil, Schmidt und Lotte hatten östlich des Fichtelgebirges große Probleme, überhaupt in der Luft bleiben zu können. Müller war indes sogar auf dem Weg nach Norden, weil er Richtung Kronach erste gute Aufwindwolken ausgemacht hatte. Er setzte seinen Weg sogar noch bis Rudolstadt fort, musste aber dort erkennen, dass keine große Geschwindigkeitsleistung in Franken und Thüringen möglich war und wendete Richtung Südosten.

Inzwischen waren auch Andreas Baier und Heiko Hertrich gestartet. Während Baier noch über dem Oschenberg auf bessere Thermik wartete, folgte Hertrich genauso wie Schmidt und Lotte den gut aussehenden Wolken nach Norden. Kurz nach Kronach sah aber auch Hertrich ein, dass ein Flug zum Bayerischen Wald wahrscheinlich erfolgversprechender sein würde.

Da sich mit Müller, Baier und Hertrich schon ein Dreierteam auf dem Weg nach Südosten machte, beschlossen Schmidt und Lotte doch die Chance im Norden weiter zu testen. Lotte konnte mehrfach gute Aufwinde finden und mit über drei Meter pro Sekunde steigen. Erst kurz vor Ilmenau wendete er und fand auch schnell wieder Anschluss an die gute Thermik, die ihn zurück nach Bayreuth und an Weiden vorbei bis nach Neunburg vorm Wald führte. Dort wendete Lotte abermals und konnte die 2,5-stündige Wertungszeit genau bei seiner Rückkehr nach Bayreuth beenden. Mit 107,4 km/h Durchschnittgeschwindigkeit schaffte er es auch ohne den guten Bayerischen Wald in die Bayreuther Teamwertung. Leider musste Schmidt mehrfach in niedriger Höhe nach Aufwinden suchen. Diese Suche endete in einer zu geringen Wertungs-Geschwindigkeit. Auch Baier konnte die 100 km/h-Grenze knapp nicht erreichen.

Sehr gut erwischte es in der Zwischenzeit Müller mit seinem großen Hochleistungsflugzeug vom Typ EB29. Ab Bad Kötzting konnte er ohne weitere Aufwindkreise geradeaus und mit hohen Geschwindigkeiten von teilweise über 250 km/h bis kurz vor Linz und zurück fliegen. Auch auf dem Rückflug nach Bayreuth konnte er eine gute Linie finden. Insgesamt musste er in den 2,5 Bundesliga-Stunden nur drei Aufwinde im Kreisflug ausfliegen. Mit 129,9 km/h erflog Müller eine der besten Rundenleistungen in Deutschland, besser als in der ganzen Meistersaison 2015 überhaupt ein Bayreuther.

Alexander Müller konnte mit seinem Hochleistungsflugzeug eine Wertung von fast 130 km/h erzielen. Auf dem besten Teilabschnitt hat er es sogar auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 179,77 km/h bringen.

Durch den späteren Start konnte Hertrich erst eine Stunde später die gute Aufwindstraße erreichen und auch nicht mehr bis Linz nutzen. Auf dem Heimflug begegnete ihm Müller, so dass beide sich nochmals absprechen konnten. Aufwinde mit über vier Meter pro Sekunde zogen die beiden großen Segler nach oben. Hertrich flog sogar nochmals bis nach Kronach und wieder zurück nach Bayreuth, was ihm am Ende eine Wertung von 117,5 km/h brachte.

Zusammen mit Lotte erzielte das Team damit 354,8 km/h und erreicht Rundenplatz zwei. Schneller war diesmal nur der Fliegerclub Schwandorf, die viel näher am optimalen Gebiet des Bayerischen Waldes starten konnte und dies auch für hervorragende 388,2 km/h nutzte. Die eindeutigen Favoriten der Saison 2016 kommen wohl vom Seriensieger der vergangenen Jahre aus Burgdorf bei Hannover. Dort kannte man am Sonntag schon die Ergebnisse aus Bayern und konnte sich motiviert darauf einstellen. Ein kleines Zwischenhoch über der Lüneburger Heide lieferte dann auch die entsprechende Thermik, die die Burgdorfer Piloten für 343,9 km/h nutzten. Mit dem damit erzielten dritten Rundenplatz erhalten sie weitere 18 Punkte und können sich in der Tabelle mit nunmehr 56 Punkten, zusammen mit dem Aeroclub Braunschweig (53) etwas absetzen. Bayreuth kommt auf 33 Punkte, kann 10 Tabellenplätze gut machen und belegt nun Platz 6.

Auch International belegen Schwandorf und Bayreuth die beiden ersten Rundenplätze und kassieren 40 bzw. 39 Punkte. Die Tabelle der World-League führt weiterhin Burgdorf mit 110 Punkten an. Vorjahressieger Bayreuth springt mit 56 Punkten von Platz 43 auf Rang 8.