Rundenbericht 03/2017

Katapultstart auf Tabellenplatz 2

Ferdinand Hauck

Mit voller Mannschaftsstärke konnten zehn Bundesligapiloten der Luftsportgemeinschaft Bayreuth in die Runde 3 starten. Und es sollte ein toller Erfolg werden! Der zweite Rundenplatz brachte 19 Punkte und katapultierte das Team auch auf den zweiten Tabellenplatz.

Zum morgendlichen Briefing meldete Vereinsmeteorologe Lothar Schmidt recht genau die voraussichtlichen Flugbedingungen: früh einsetzende Thermik, starker Wind mit vielen Turbulenzen und Ausprägung von Wolkenstraßen. Die Langstreckenspezialisten waren alarmiert. Sofort machte sich Alexander Müller bereit, um beim ersten Anzeichen von Thermik zu starten. Er ist bekannt dafür, dass er seine großen Strecken vor allem durch sehr lange Flüge über 10 Stunden erreicht. Auch diesmal sollte er mit diesem Konzept recht behalten. Schon um kurz nach 9 Uhr hob sein Hochleistungs-Segler ab, um erst kurz vor 20 Uhr wieder zu landen. Dazwischen schaffte es Müller erneut als einziger in Deutschland die magischen 1000 Kilometer im reinen Segelflug zu überbieten. Seine Jo-Jo-Strecke führte ihn zuerst entlang des Thüringer Waldes bis nach Bad Salzungen, dann zurück über Bayreuth bis nach Arnbruck im Bayerischen Wald, anschließend nochmals mit Rückenwind bis kurz vor Kassel und schlussendlich wieder nach Bayreuth. Weil Müllers Taktik auf die Streckenlänge zielte, reicht seine Geschwindigkeit von 112 Stundenkilometern über die schnellsten 2,5 Stunden nicht aus, um die anderen Bayreuther Piloten, welche die Bundesligataktik verfolgten, zu überbieten.

Martin Brühl hat mit seinem langen Rückenwindflug von Pilsen bis in die Rhön den Grundstein für die Bayreuther Top-Wertung gelegt: 124,1 km/h wurden für ihn gewertet.


Schnellster Pilot der Bayreuther Mannschaft wurde Martin Brühl, der mit 124,1 km/h sogar einer der Tagesschnellsten in Deutschland war. Er versuchte zuerst gegen den starken Ostwind voranzukommen, um später so lange wie möglich den Rückenwind ausnutzen zu können. Bis kurz vor Pilsen in Tschechien wagte er sich ostwärts, um dann mit fast 40 km/h Rückenwind und unter schönen Aufwinden bis in die Rhön zu fliegen. Auch den Rückflug nach Bayreuth schaffte Brühl ohne Probleme. Auf fast gleicher Strecke versuchte Sebastian Baier sein Glück. Er wendete aber schon an der Grenze zu Tschechien und musste deshalb einen längeren Gegenwindschenkel in seine Bundesligastrecke einbauen. Trotzdem erwischte er zwischen Bayreuth und der Rhön, aber vor allem auf dem Rückflug nach Bayreuth eine hervorragende Aufwindstraße. Baier musste nur sehr wenige Kreise in starken Aufwinden machen und konnte so die zweitbeste Bayreuther Leistung von 116,8 km/h abliefern. Um den dritten Platz der Bundesligamannschaft wurde es knapp. Als Lothar Schmidt am Abend seinen Flug auswertete, zeigte sich, dass er über die 2,5 Stunden Bundesligawertungszeit kein einziges Mal in Aufwinden kreisen musste. Schmidts geschickte Wahl der Flugstrecke zwischen Weiden und Fulda ermöglichte ihm, in Aufwindfeldern langsam fliegend immer genauso viel Höhe wieder zu gewinnen, wie er vorher durch schnelles Fliegen zwischen den Aufwinden verloren hatte. Seine genau 113 km/h wiesen schon auf einen großen Bayreuther Erfolg in Runde 3 der Bundesligasaison hin. Dann wurde der Flug von Andreas Baier ausgewertet. Wie so oft versucht Baier gar nicht die langen Flugschenkel, sondern suchte sich geeignete Linien von 50 bis 100 Kilometer Länge und ritt diese mehrfach ab. Genau diese Taktik wandte er diesmal auch wieder zwischen Weiden und Meiningen an und schloss mit erfolgreichen 113,8 km/h ab. Statt Schmidt kam somit doch Baier in die Liga-Wertung der LSG.

Die anderen Bayreuther versuchten leicht geänderte Richtungen und Flugwege, um einerseits nicht alle Piloten die gleichen Strecken abfliegen zu lassen und somit das Wetterrisiko zu minimieren und andererseits auch die Chance auf noch schnellere Flüge zu ermöglichen, sollte das Wetter entgegen der Vorhersage doch in der einen oder anderen Gegend besser sein. Johannes Baier und Heiko Hertrich versuchten es deshalb auf einem mehr südlich angelegten Kurs bis Regensburg, wohingegen Wolfgang Clas bis in das Thüringer Becken bei Jena vorstieß. Andere wie Clemens Pape verfolgten eher eine Langstreckentaktik wie Müller.

Die Summe von 354,7 km/h aus den drei Flügen von Brühl, Sebastian und Andreas Baier bringt der LSG den zweiten Platz kurz hinter dem Luftsportverein Homberg/Ohm (362,4 km/h). Der Hamburger Aeroclub aus Boberg wird mit 350,5 km/h Dritter. Dies zeigt auch, wie gleichmäßig das Wetter in Deutschland verteilt war und wie gut Bayreuth weiterhin in der 1. Liga mithalten kann. Da alle unmittelbaren Tabellenkonkurrenten eher mittelmäßig abschnitten, kann Bayreuth mit nun 35 Punkten auch auf den zweiten Tabellenplatz vorrücken. Sogar das Segelflugzentrum Königsdorf als Tabellenführer mit jetzt 37 Punkten kann Bayreuth fast einholen. Die Königsdorfer hatten es am Alpenrand schwer und mussten sich mit nur einen Punkt für Rundenplatz 20 begnügen. Auch die anderen fränkischen Erstligisten konnten nicht an die Bayreuther Leistungen anknüpfen, obwohl sie im gleichen Wetterraum unterwegs waren. Bamberg belegte mit 300,2 km/h nur Platz 15 und Ansbach (287,0) gar nur Platz 23. Einzig der bayerische Aufsteiger FC Eichstätt (329,7) auf Platz 8 konnte halbwegs mithalten.

Da scheinbar überall auf der Welt Pause eingelegt wurde, spiegelt die deutsche Rundeliste auch das Ergebnis der World-League wieder: Homberg vor Bayreuth und Hamburg. Erster nicht-deutscher Verein mit 327,4 km/h auf Platz 11 ist der Amsterdamsche Club vor Zweefvliegen. Ausgerechnet zwei seiner Piloten waren während eines Wandersegelfluges zu Gast in Bayreuth und flogen am Sonntag eine 700 Kilometer lange Flugstrecke zurück nach Amsterdam - mit Rückenwind. In der internationalen Tabelle liegt Amsterdam mit 59 Punkten damit auf Platz 7. Bayreuth ist ein großer Sprung nach vorne auf Platz 9 (52 Punkte) gelungen. Gifhorn (69) verdrängt Stadtlohn (62) als Tabellenführer.