Rundenbericht 04/2016

Segelflug-Bundesliga: Trotz langer Flüge nur Platz 10

Ferdinand Hauck

Bei starkem Ostwind zog es die Segelflieger der Luftsportgemeinschaft am Samstag erneut in den Bayerischen Wald, wo Wertungen über 120 km/h möglich waren. Doch die norddeutschen Clubs hatten das beste Wetter seit Jahren. Die Bayreuther Piloten landen daher in der vierten Runde der Segelflug-Bundesliga nur auf einem 10. Platz.

Ein starker Ostwind behinderte einerseits die Bildung von guten Aufwinden, andererseits bildeten sich am Bayerischen Wald Wolkenstraßen, unter denen die Segelflugzeuge im Geradeausflug steigen konnten und so schnell voran kommen konnten.

Da Samstag mittag die ersten Wolken aber erst im Bereich der Donau standen, mussten die Bayreuther sich mühsam nach Süden vorkämpfen, um Anschluss an diese Wolkenstraßen zu erhalten.

Alexander Müller und Heiko Hertrich starteten deshalb schon am späten Vormittag und machten sich bei komplett blauem Himmel auf den Weg Richtung Niederbayern. Schon ab Weiden konnten sie in der Ferne die hellweißen Cumuluswolken erkennen, welche die begehrten guten Aufwinde anzeigen, mussten aber selbst zunächst noch im Blauen mühsam nach Thermik suchen.

Müller wählte einen Flugweg über Cham und konnte dort unter den Wolken in größere Höhen von bis zu 3000 Meter aufsteigen. Hertrich wählte den bei Blauthermik sichereren Weg entlang der Flugplätze von Erbendorf, Weiden, Schmidgaden und Schwandorf, um genau über Regensburg ebenfalls die guten Aufwinde und die größeren Flughöhen zu erreichen. Beide Bayreuther steuerten nun entlang einer sehr gut tragenden Aufwindstraße nach Osten. Müller wendete sein Flugzeug erst nördlich von Linz in Österreich, um nun mit dem starken Rückenwind nach Westen zu fliegen. Auch Hertrich schaffte es bis nach Vimperk in Tschechien und mit dem Wind im Rücken zurück bis nach Regensburg. Weil das Wolkenbild sich westlich von Regensburg etwas verschlechterte, beschloss das Team nochmals zwei Teilstrecken unter den guten Wolken nach Osten und wieder zurück anzuhängen.

Danach erwischte Müller eine gute Linie über Cham und Weiden zurück nach Bayreuth und schloss erneut mit dem besten LSG-Ergebnis von 129,6 km/h über die 2,5 stündige Wertungszeit ab.

Alexander Müller ist mal wieder allen anderen Bayreuthern davon geflogen. Mit den unerwarteten Spitzen werten im Norden Deutschlands konnte aber auch er nicht mithalten.


Hertrich versuchte seinen Flug noch bis Greding zu verlängern, musste dann aber einen problematischen Rückweg zwischen den Sperrgebieten von Hohenfels, Grafenwöhr und Nürnberg antreten. Den endgültigen Heimweg und die Bundesligawertung von 120,6 km/h sicherte ihm erst ein letzter brauchbarer Aufwind über dem Veldensteiner Forst.

Inzwischen hatten sich auch andere Bayreuther Piloten an den schwierig zu findenden Aufwinden rund um Bayreuth probiert. Sebastian Baier wagte sich bis nach Regensburg vor, um ebenfalls von den guten Aufwinden im Bayerischen Wald zu profitieren. Allerdings musste er sich nach einer Wende bei Passau schon wieder zurück nach Bayreuth orientieren, um rechtzeitig vor dem prognostizierten Ende der Thermik zuhause landen zu können. Seine Ausbeute von 106,7 km/h reichte damit nicht aus, um in die drei Piloten umfassende Mannschaft der Luftsportgemeinschaft zu gelangen. Mit gleichem Resultat beendeten Martin Brühl (108,7 km/h) und Georg Baier (103,7) ihre Flüge, die sie über das Fichtelgebirge bis nach Pilsen in Tschechien führten.

Besser gelang dies aber zunächst Uwe Förster, der mit einem noch späteren Start die sich plötzlich bildenden Wolken entlang des Thüringer Waldes nutzen konnte. Dort gelang ihm ein Flug bis zu den Kalibergen bei Fulda und zurück nach Bayreuth mit einer Wertung von 112 km/h. Zusammen mit Müller und Hertrich konnte die LSG Bayreuth am Samstag eine Summe von 362 km/h aufbieten. Da dies nur knapp hinter anderen Mannschaften einen siebten Rundenplatz bedeutete, wollten viele Piloten am zweiten Tag noch einmal zulegen.

Die Wetterbedingungen schauten am Sonntag auch vielversprechend aus. Mehr Wolken sollten das Auffinden der Thermik erleichtern, aber der Wind wehte mit 40 km/h aus Osten nochmals stärker als am Vortag. Hertrich setzte alles auf eine Karte und konnte zwischen Tachov in Tschechien und Meinigen im Thüringer Wald auch eine sehr gute Leistung mit dem Wind erfliegen. Nur gegen den Wind fand er kein Rezept, um die gute Durchschnittsgeschwindigkeit zu halten. Damit war keine Verbesserung der Vortagesleistung möglich. Lothar Schmidt wollte erneut die Gegend zwischen Donau und Bayerischer Wald erproben. Am Großen Arber stellte er aber fest, dass dies keine gute Idee war. Nun wollte er Hertrich in den Thüringer Wald folgen, kam dort aber zu spät an, um noch lange vom Ostwind und den starken Aufwinden profitieren zu können. Andreas Baier und Wolfgang Clas flogen zuerst Richtung Tschechien, um auch dann den Rückenwind nutzend auf Nordwestkurs zu gehen. Aber wie auch Hertrich und Schmidt gelang es beiden nicht, die Teamleistung des Vortages zu verbessern. So hatte Bayreuth nur noch zwei Eisen im Feuer. Johannes Baier war in Rudolstadt gestartet und unter guten Aufwinden bis in das Erzgebirge vorgedrungen. Von dort führte sein Kurs zuerst nach Suhl im Thüringer Wald und dann über Bayreuth bis nach Weiden und zurück nach Rudolstadt. Dabei legte er über 770 Kilometer Flugstrecke in 7 Stunden Flugzeit zurück. Viel wichtiger war aber seine 118,9 km/h Bundesligaleistung über die besten 2,5 Stunden. Überraschend war dann das Ergebnis von Martin Brühl, der die Leistung von Johannes Baier mit 119,4 km/h noch einmal toppte. Damit verdrängte Brühl auch Förster aus der Bayreuther Mannschaft der vierten Bundesligarunde.

Leider reicht das Bayreuther Ergebniss von nun 369,7 km/h nur zu einem 10. Rundenplatz und 11 Punkten. Rundensieger wurden erneut die Mannschaften aus dem Norden Deutschlands. Entgegen den Wettervorhersagen entwickelte sich dort die beste Thermik seit Jahren. Auf langen Flügen zwischen Hannover und Dresden erzielten die Vereine aus Braunschweig, Burgdorf und Brandenburg Rekordwerte über 400 km/h.

Rundensieger Braunschweig hält nun mit 442,7 km/h den Allzeitrekord. Auch die Braunschweiger Einzelpiloten Heiko Braden und Martin Tronnier führen nun mit 161,0 und 159,1 km/h die Rekordlisten an. Weitere sieben Nord-Piloten aus allen drei Ligen überschritten die 140-km/h-Grenze, welche in den vergangenen 15 Bundesligajahren überhaupt nur von vier Piloten erreicht wurde! Damit setzten sich die drei führen Nordvereine auch in der Tabelle weiter ab. Burgdorf führt mit 75 Punkten vor Braunschweig (73) und Brandenburg (56). Bayreuth verliert einen Platz und liegt nun mit 44 Punkten auf Platz 7.

Auch die World-League-Rundenwertung sieht die norddeutschen Vereine in Führung, ebenso die Tabelle. Titelverteidiger Bayreuth erzielt Rundenplatz 20 und rutscht mit 77 Gesamtpunkten auf Tabellenplatz 10 zurück. Burgdorf (149 Punkte) und Braunschweig (147) setzen sich auch international immer deutlicher ab.