Rundenbericht 08/2016

Segelflug-Bundesliga: Gewitter bestimmen Runde

Ferdinand Hauck

Nach Beendigung der anstrengenden Bayerischen Meisterschaft und zwei Wertungsrunden mit nur wenig Ausbeute wollten die Bayreuther Bundesligapiloten wieder voll angreifen. Schon am Freitagabend traf man sich für eine Strategierunde. Welche Ziele sollten für die laufende Saison gesetzt werden? Was muss organisiert werden, um diese Ziele zu erreichen?

Klar ist, dass mit einem nun schon großen Punkterückstand auf die Tabellenführung die Titelverteidigung fast schon einem Wunder gleichkommen würde. Zudem war wegen der Wetterlage zu erwarten, dass das Wetter dieser Runde nochmals den Mannschaften aus dem Norden einen weiteren Ausbau des Vorsprungs ermöglichen würde. Deshalb wurde von Teamkapitän Andreas Baier das Minimalziel „Beste Mannschaft Bayerns“ ausgegeben.

Am vergangenen Wochenende wurde dieses Ziel zumindest in der Rundenwertung erreicht: Trotz der angespannten Wetterlage mit vielen vorhergesagten Gewittern sprachen sich die Piloten am Boden und in der Luft gut ab. Am Samstag verhinderten noch mehrere Regenschauer und großflächige Abschirmungen schnelle Flüge. Nur Heiko Hertrich gelang am späten Nachmittag ein kurzer Flug nach Bad Kissingen und zurück, den er mit 78 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit in die Zwischenwertung einfließen lassen konnte. Doch der Sonntag war mit besserer Thermik und weniger Gewittern in Nordbayern und Thüringen vorhergesagt.

Insgesamt sechs Piloten machten deshalb ihre Flugzeuge startbereit. Friedhelm Lotte startete als erster gegen Mittag, kurz darauf Andreas Baier. Beide hatten mit noch schwachen Aufwinden zu kämpfen und kamen nur langsam Richtung Kronach voran. Alexander Müller flog diesmal nicht mit seinem großen Flugzeug, sondern mit einem Segler der 15-m-Klasse eines Freundes. Er musste sich erst einmal in der näheren Umgebung einfliegen. Juniorpilot Johannes Flieger wählte einen Weg nach Osten. Er musste aber schon am Waldstein den ersten Regenschauern ausweichen und landete auf dem Flugplatz Zell-Haidberg. Nach dem Durchzug der Gewitter ließ er sich vom Bayreuther Schleppflugzeug wieder abholen.

Inzwischen war auch Heiko Hertrich gestartet und folgte zügig dem Kurs von Lotte und Baier in nordwestlicher Richtung. Alle drei fanden immer wieder gute Aufwinde, mussten aber auch laufend die Richtung korrigieren, um den ersten dunklen Wolken am Rand des Thüringer Waldes auszuweichen. Aufgrund dieser Erkenntnisse verfolgte Müller einen weit südlicheren Flugweg über Bamberg nach Schweinfurt. Dies erwies sich als so günstig, dass er östlich der Rhön nach Norden abbiegen und den Thüringer Wald überfliegen konnte. Nördlich von Hof musste Müller aber seinen Vorwärtsdrang bremsen, da eine große Gewitterzelle den Heimweg nach Bayreuth blockierte. Die bis dahin erzielte Schnittgeschwindigkeit von 93,9 km/h erwies sich aber dennoch als Bayreuther Spitzenleistung der Runde 8. Den finalen Weg nach Hause konnte er schließlich nur unter Zuhilfenahme des eingebauten Klapptriebwerkes bewerkstelligen.

Schlechter erging es Lotte, Baier und Hertrich, die zwischen den Schauerzellen keinen Weg für den Rückflug nach Bayreuth finden konnten. Jeder Versuch wurde durch tief hängende Wolken, Starkregen und Blitze verhindert. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als wieder nach Westen in das bessere Wetter auszuweichen und abzuwarten. Baier und Lotte wollten sich dabei aber nicht zu weit nach Westen abdrängen lassen und beschlossen deshalb auf dem kleinen Flugplatz von Lichtenfels zu landen. Nach einer sicheren Regenlandung und einem Nachmittagskaffee wurden beide nach einer Stunde wieder in die Luft geschleppt und konnten hinter der abziehenden Schauerlinie bis Bayreuth zurück gleiten. Hertrich hatte viel länger zwischen Coburg und Bamberg abgewartet und fand dann eine kleine helle Lücke. Allerdings musste er erst einmal viel Höhe abbauen, um unter die tiefen Wolken zu kommen. Dadurch reichte dann der Gleitwinkel in der toten Luft nicht mehr ganz aus, um ohne weitere Aufwinde bis Bayreuth zu fliegen. Hertrich bevorzugte eine sichere Landung auf dem Kulmbacher Flugplatz und ließ sich dann mit dem Transporthänger abholen. Trotzdem konnte er die Bundesligaleistung mit 80,6 km/h gegenüber seiner Vortagesleistung etwas steigern. Lotte (75,2) und A.Baier (62,8) schafften es nicht in die aus drei Piloten bestehende Bayreuther Mannschaft, weil Johannes Baier mittlerweilen in Rudolstadt gestartet war und den Gewittern durch einen Flugweg in das Thüringer Becken ausweichen konnte. Er erzielte mit 91,5 km/h das zweitbeste Bayreuther Ergebnis und vervollständigt die Mannschaftswertung auf 266,0 km/h. Diese Leistung reicht für Rundenplatz 9 und 12 Tabellenpunkte. Als beste bayerische Mannschaft dieser Runde wurde durch den großen Einsatz der Piloten zumindest dieses Etappenziel erreicht.

Wie schon erwartet holten sich die Mannschaften aus dem Norden Deutschland die ersten Plätze. Rundensieger wurde mit 329,8 km/h der Aeroclub Braunschweig, knapp gefolgt vom Luftsportverein Burgdorf (327,4) und dem Fliegerclub Charlottenburg-Berlin (326,0). Alle drei Vereine führen jetzt auch die Tabelle an. Rekordmeister Burgdorf liegt mit 144 Punkten weiter auf Platz 1 vor Braunschweig (134) und Berlin (107). Bayreuth bleibt mit nun mit 85 Punkten auf Platz 7, knapp hinter den bayerischen Konkurrenten aus Donauwörth (92) und Königsdorf (101).

In der internationalen World-League reicht es diesmal nur zu Platz 41 und damit nur für einen Tabellenpunkt. Sieger wird der Vorjahresdritte aus Moriarty bei Albuquerque/New Mexico mit 355,5 km/h. Die Tabelle wird aber immer noch von den deutschen Vereinen beherrscht. Auch hier liegt Burgdorf mit 255 Punkten vor Braunschweig (234) und Königsdorf (200). Bayreuth rutscht mit 130 Punkten vom fünften auf den achten Rang von 964 ab.