Rundenbericht 09/2017

Warmluft bringt nur 4 Punkte für Bayreuth

Ferdinand Hauck

Einen weiteren Rückschritt muss das Bundesligateam der LSG Bayreuth verkraften. Nur ein 17. Platz mit vier Punkten sprang in der neunten Runde der Segelflug-Bundesliga heraus. Ausgerechnet die Warmluft hat dafür gesorgt, dass nur sehr wenig Thermik entstand, weil bei Warmlufteinfluss die Zirkulation der Luft stark gemindert ist. Aufgrund einer Familienfeier konnten außerdem nur sechs Bundesliga-Piloten an den Start gehen.

Alexander Müller, Wolfgang Clas und Johannes Baier setzten auf den Süden, wohingegen Heiko Hertrich, Friedhelm Lotte und Lothar Schmid den Norden bevorzugten. Schlussendlich stellte sich heraus, dass die besten Aufwinde über der Schwäbischen Alb standen. Wer zudem den Wind aus Südwesten zu nutzen wusste, konnten mit hohen Schnittgeschwindigkeiten rechnen. Weil aber Müller und Clas über Regensburg nach Stuttgart und dann nach Eisenach flogen, folgte einzig und allein Baier dieser besten Strategie. Er kehrte bei Stuttgart um und flog den gleichen Flugweg zurück nach Regensburg. So erzielte er die beste Bayreuther Wertung von 96,4 km/h. Aber auch Müller (95,3) und Clas (93,8) standen dem nicht viel nach. Die drei im Norden fliegenden Piloten hatten mit wesentlich mehr Problemen zu kämpfen. Schwer zu lokalisierende Aufwinde, die zudem unzuverlässig funktionierten, ließen keine Geschwindigkeiten über 90 km/h zu. So musste sich Bayreuth mit 285,5 km/h der drei Südflieger in die Halbzeit der Runde begeben. Der zweite Tag war zwar gut vorhergesagt, jedoch wollten sich die prognostizierten Wolken über den östlichen Mittelgebirgen nicht zeigen. In völliger Himmelsbläue gibt es zwar auch Aufwinde, diese sind aber viel schwerer zu finden. So wagten sich nur zwei Bayreuther in die Luft und nur Heiko Hertrich gelang ein annehmbarer Flug Richtung Oberpfalz und zurück. Eine Verbesserung der vortäglichen Leistung blieb aber aus.

Weil noch einige Vereine im Nordosten der Republik gut punkten konnten, rutschte Bayreuth noch auf den 17. Platz zurück und erzielte nur 4 Punkte. Auch in der Tabelle muss ein Rückschritt auf Platz 8 mit 78 Punkten verkraftet werden. Rundensieger wird der Fliegerklub Brandenburg mit 332,2 km/h gefolgt vom Vorjahresmeister aus Burgdorf (314,4) und Aalen (303,6). Aalen führt die Tabelle mit 113 Punkten und schon mit einigem Vorsprung vor Donauwörth (98) und Königsdorf (92) an. Danach folgt ein sehr dichtes Mittelfeld, das sich von Platz vier bis Platz 17 mit nur zwanzig Punkten Unterschied tummelt. Entsprechend kann es für jeden dieser Vereine, darunter die LSG, mit der nächsten Runde schnell bergauf oder bergab gehen.

Auch in der World-League rutscht Bayreuth auf den 14. Platz mit 125 Punkten ab. Hier führt ebenfalls Aalen mit 205 Punkten weit vor den US-Amerikanern aus Moriarty (156) und Schwäbisch-Gmünd (151).

Ein bemerkenswerter Flug gelang dem vielfachen Einzel-Sieger der Welt-Streckenflugwertung Jim Payne vom US-Team Perlan Project, eigentlich ein Höhenforschungsprojekt, der bei einem Flug in den Rocky Mountains eine Liga-Wertung von 204,4 km/h erreichen konnte. Da die Leistung des Flugzeugtyps gegengerechnet wird, hat er real über 2,5 Stunden eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 237,7 km/h erreicht – ganz ohne Motor, nur mit der Kraft der Sonne. Er muss daher einen Großteil der Zeit mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit seines Flugzeugs von 280 km/h geflogen sein. Das Perlan Project erreicht damit Rundenplatz drei der World League, obwohl sie nur mit zwei Piloten (neben Payne der Astronaut Dennis Tito) gestartet waren.