Rundenbericht 10/2018

Magere Ausbeute kostet Weltliga-Führung

Ferdinand Hauck

Nachdem die Bayreuther Bundesligapiloten durch eine grandiose Aufholjagd über die letzten sechs Wochenenden bis auf einen Punkt an die Tabellenführung der 1. Bundesliga heranrücken und sogar die Tabellenführung in der World-League übernehmen konnten, mussten sie in Runde 10 einige Federn lassen. Das schlechte Wetter ermöglichte mit Rundenplatz 16 gerade noch eine Schadensbegrenzung mit Minimalbesetzung.

Mussten die Bayreuther am Samstag eine komplette Nullwertung für Bayreuth, bei gleichzeitig hohen Leistungen der unmittelbaren Konkurrenz akzeptieren, wollten am Sonntag wenigstens drei Piloten einen Versuch wagen. Dabei sah Alexander Müller eine geringe Chance, dies trotz tiefhängender Wolken und kaum Sonneneinstrahlung mit einem Start in Bayreuth zu versuchen.

Währenddessen suchten Andreas Baier und Heiko Hertrich die Satellitenbilder nach erreichbaren besseren Flugbedingungen ab. Gegen Mittag entschlossen sie sich, für einen verlagerten Start nach Schweinfurt zu fahren. Schnell waren die Flugzeuge im Transportanhänger reisefertig verzurrt und die Fahrt ins vermeintlich bessere Wetter konnte beginnen.

Um 13:30 Uhr konnten Baier und Hertrich ihre Jagd nach Punkten beginnen. Die erwartete schwache Thermik entwickelte sich überraschenderweise immer besser. Baier fand eine gute Linie entlang des Mains nach Bamberg und über die Hassberge zurück bis Bad Neustadt/Saale. Hertrich flog währenddessen von Schweinfurt aus direkt nach Norden bis nach Meiningen im Thüringer Wald. Dort traf er Müller, der nach den erwarteten großen Problemen und viel Zeitverlust nach seinem Start in Bayreuth es doch noch geschafft hatte, in die bessere Gegend nördlich von Schweinfurt vorzustoßen. Gemeinsam traten sie Müllers Rückweg nach Bayreuth an. Mit Rückenwindhilfe gelang dabei beiden eine hohe Geschwindigkeit bis kurz nach Lichtenfels.

Ab dort gab es keine Sonnenlücken mehr, weshalb Hertrich wendete und seine Flugstrecke wieder zurück nach Westen lenkte. Müller konnte nach ein paar Versuchen in niedriger Höhe den letzten Aufwind unter dichten Wolken finden, der ihn genau zum Ende der Wertungszeit mit einer Leistung von 75,2 km/h zurück nach Bayreuth brachte.

Inzwischen war auch Baier wieder auf einem Mitwindkurs bei Bamberg unterwegs, musste aber mehrfach schwache Aufwinde akzeptieren, um in genügend Höhe für einen Weiterflug zu gelangen. Der abschließende vierte Flugschenkel zurück nach Schweinfurt erfolge dann wieder gegen den inzwischen starken Westwind, weshalb Baier nur 68,2 km/h zur Mannschaftsleistung beisteuern konnte.

Hertrich, der von Baier über die Wetterbedingungen im Raum Bamberg informiert wurde, entschied sich daraufhin, einen konsequenten Südkurs entlang der westlichen Hügelketten der Hassberge und des Steigerwaldes einzuschlagen. An den dortigen Hangkanten löste der Westwind und die auf die Weinberge einstrahlende Sonne immer wieder gute Aufwinde aus, die einen schnellen Flug bis Bad Windsheim ermöglichten. Auch der Rückflug nach Schweinfurt stellte sich als problemlos dar. Mit dieser, für das relativ schlechte Wetter optimalen Flugroutenwahl gelang Hertrich das beste bundesdeutsche Ergebnis des zweiten Rundentages von 86,0 km/h.

Die Summe von 229,3 km/h reicht leider trotzdem nur für den schadensbegrenzenden 16. Rundenplatz und 5 Punkten für die Bundesliga-Tabelle. Alle Mannschaften bis einschließlich Platz 15 flogen ihre besseren Leistungen bereits am Samstag. Mit 302,6 km/h kann Schwäbisch Gmünd den Rundensieg verbuchen und Bayreuth in der Tabelle ein großes Stück näher rücken. Auch Tabellenführer Aalen kann sich mit 284,6 km/h auf Rundenplatz 4 setzen und noch 17 Punkte einstreichen. Mit 148 Punkten hat Aalen nun wieder 13 Punkte Vorsprung auf Bayreuth (135 Punkte). Schwäbisch Gmünd rückt bis auf 6 Punkte an Bayreuth heran. Lichtenfels konnte im schlechten oberfränkischen Wetter nur einen Punkt erzielen und fällt auf Tabellenplatz 4 mit 114 Punkten nun schon einiges zurück.

Auch die vor zwei Wochen eroberte Weltliga-Tabellenspitze konnte die Luftsportgemeinschaft leider nicht halten. Vor allem die nordamerikanischen Mannschaften beherrschten die Runde 10 in der World League. Alleine sieben Vereine setzten sich unter die besten 10, angeführt von Moriarty Soaring aus New Mexico, die mit 427,7 km/h eine sehr gute Rock-Mountains-Leistung erzielten. Aalen schaffte immerhin noch Platz 15 und kann weitere 26 Punkte verbuchen, wohingegen Bayreuth auf Platz 67 nur einen Trostpunkt erhielt. Der Führungswechsel sieht deshalb Aalen mit 267 Punkten wieder als Spitzenreiter und Bayreuth (248 Punkte) auf Platz zwei. Auch in der World-League-Tabelle liegt Schwäbisch Gmünd (225) auf Platz drei. Mit 199 Punkten holt Moriarty (Vierter) aber schon kräftig auf.