Rundenbericht 11/2017

Rundensieg !

Ferdinand Hauck

Eine tolle Mannschaftsleistung zahlt sich für die Bundesligapiloten der LSG im ersten Rundensieg dieser Saison aus. Mit 369,2 km/h aus der Summe der drei schnellsten Flieger setzt sich Bayreuth weit vor den zweitplatzierten Bundesliga-Konkurrenten und kann mit Weltliga-Rundenplatz 2 in die Phalanx der US-amerikanischen Vereine einbrechen.

Starker Wind und eine gute Thermikvorhersage bestimmten beim morgendlichen Briefing die Strategie: Zuerst soweit wie möglich gegen den Westwind, um dann die volle Bundesliga-Wertungszeit von 2:30 Stunden mit Rückenwindhilfe fliegen zu können. Für die Heimkehr hieß das aber, sich gegen den Wind heim nach Bayreuth zurückzukämpfen.

Weil die LSG-Piloten durchaus mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h beim Flug mit dem Wind rechnen konnten, mussten sie eine ungefähr 350 Kilometer lange Strecke vom Odenwald bis nach Dresden einplanen. Dazu wollten einige Piloten bald starten. Alexander Müller machte den Anfang, kurz darauf gefolgt von Wolfgang Clas. Beide taten sich erstmal schwer, die noch jungen Aufwinde zu finden und auszukreisen. Doch schon bei Kulmbach bemerkte Müller, dass nun der Weg nach Westen immer deutlicher vorgezeichnet war. Schöne Cumuluswolken reihten sich mit dem Wind auf und ermöglichten lange Gleitstrecken ohne viel Höhenverlust.

Diese Meldung nutzten die noch am Boden stehenden Heiko Hertrich und Clemens Pape zum sofortigen Start. Auf einem etwas südlicheren Weg als Müller und Clas gab Hertrich die beste Linie über Hollfeld, Bamberg, Kitzingen bis südlich Würzburg vor. Über dem Odenwald dünnten sich dann die Wolken etwas aus. Müller erspürte einfließende Warmluft, die der Thermik nicht zuträglich ist. So wendeten alle Bayreuther in 170 bis 180 Kilometer Entfernung vom Heimatflugplatz, um nun die Geschwindigkeitsjagd zu beginnen.

Der teilweise über 30 km/h starke Westwind erzeugte gut funktionierende Aufwindlinien. Zudem schob er die Flugzeuge kräftig an. Zeitweise konnte die Bayreuther Flotte mit über 220 km/h über Grund nach Osten schießen. Nur selten mussten die Piloten in starken Aufwinden kreisen, um wieder Höhe zu gewinnen. Müller erwischte dabei die beste Linie und konnte als Erster an Bayreuth vorbei Richtung Zwickau und Chemnitz fliegen. Clas und Hertrich hielten sich etwas südlicher auf, weil schöne Wolken über dem Hauptkamm des Erzgebirges gute Aufwinde versprachen. Doch leider konnten die Wolken ihr Versprechen nicht halten und zwangen die Piloten zu einem Umweg, um ebenfalls die Aufwindstraße von Müller zu erreichen.

Gewarnt von Hertrich flog der etwas zurückliegende Pape gleich einen nördlicheren Weg und vermied so den Umweg. Weil für alle vier Bayreuther die Strecke nach Osten besser lief als erwartet, bestand die Gefahr, dass man in den gesperrten Luftraum des Flughafens von Dresden einflog, bevor die Wertungszeit zu Ende sein sollte. Müller und später Pape lösten dies, indem sie nach Norden auswichen, Hertrich und Clas kehrten dagegen etwas früher um.

Die spätere Auswertung der erzielten Geschwindigkeiten zeigte dann auch genau diese Unterschiede. Müller und Pape konnten 126,5 und 126,3 km/h vorlegen, weil beide den besten Pfad ohne Umwege fanden und die komplette Wertungszeit mit dem Wind absolvierten, wohingegen Hertrich (116,3) und Clas (113,8) mindestens 10km/h durch den Umweg und die frühere Umkehr verloren.

Für alle vier war der Rückweg nach Bayreuth nicht leicht. Pape musste sogar mehrfach seinen Hilfsmotor zünden, um eine Landung weit weg von Bayreuth zu verhindern. Hertrich, der als einziger ohne Motor unterwegs war, konnte durch sehr vorsichtiges Fliegen eine Außenlandung verhindern und sich knapp nach Bayreuth zurück retten.

Das Bayreuther Mannschaftergebnis von 369,2 km/h aus den Flügen von Müller, Pape und Hertrich hielt gegen die starke Konkurrenz Stand. Die zweitplatzierte SFG Giulini Ludwigshafen kam nur auf 340,7 km/h und erzielte somit satte 8% weniger.

Auf den Plätzen folgen Donauwörth (336,9) und Rinteln (332,6).

Der erste Rundensieg der Saison wurde am Abend ausgiebig gefeiert und kam zum richtigen Zeitpunkt, um weiterhin motiviert um die Platzierungen zu kämpfen. Bayreuth macht in der Tabelle zwar keinen Platz gut und nimmt mit 112 Punkten weiterhin den fünften Platz ein, kann aber zur Tabellenspitze etwas aufholen. Statt der Anführer des Mittelfeldes haben die Bayreuther nun wieder Anschluss an die Spitzengruppe gefunden.



Heiko Hertrich (links) und Clemens Pape (rechts) erflogen zusammen mit Alexander Müller das Bayreuther Spitzenergebnis. Bei ihren Flügen zwischen Odenwald und Erzgebirge erreichten sie Geschwindigkeiten von über 115 km/h - ganz ohne Motor


Aalen liegt mit 146 Punkten weiterhin gut an der Spitze, gefolgt von Donauwörth mit 133 Punkten. Schwäbisch Gmünd auf Platz drei (119 Punkte) ist dagegen schon in Bayreuther Reichweite und Königsdorf mit Platz vier hat nur noch drei Punkte Vorsprung.

In der World-League hat Bayreuth den Rundensieg auch nur knapp verpasst. Samstags abend konnte die LSG hoffen, auch hier den Rundensieg einzuheimsen. Doch als die Amerikaner Sonntag Nacht ihre Flugdateien hochgeladen haben, zog auf einmal der Minden Soaring Club aus Nevada davon. Auch auf den Plätzen drei bis sechs folgen US-Clubs. Bayreuth kann aber Rundenplatz zwei mit 39 Punkten halten.

Die Rocky Mountains liefern nun ihre besten Aufwinde und schicken die dortigen Piloten mit großer Kraft bis 6000 Meter in die Höhe. Rundensieger Minden Soaring Club aus Nevada legt ein uneinholbares Spitzenergebnis von 442,5 km/h vor. Der Dritte, Warner Springs Gliding aus Kalifornien kann mit 361,5 km/h Bayreuth aber schon nicht mehr einholen. Die Tabelle der World League führt weiterhin Aalen mit 265 Punkten an, gefolgt von Moriarty Soaring aus New Mexico (207) und Schwäbisch Gmünd (203). Bayreuth verbessert sich auf 188 Punkte und liegt auch international auf Tabellenplatz fünf.