Rundenbericht 12/2016

Segelflug-Bundesliga: Wieder Wetterpech für LSG-Piloten

Ferdinand Hauck

Weiterhin sind die Bayreuther Segelflieger vom Wetterpech verfolgt. Trotz erneut großer Bemühungen konnten sie in der 12. Bundesligarunde nur einen 17. Platz mit mageren 4 Punkten Ausbeute erzielen.

Nach einem Samstag ohne jegliche Thermik mussten die Piloten alle Karten auf den Sonntag setzen. Aber auch dieser hielt in Franken nicht das, was der Deutsche Wetterdienst versprochen hatte. Gerade als die Sonne mit der Erwärmung des Bodens beginnen und damit die nötigen Aufwinde produzieren wollte, kam eine große abschirmende Wolkendecke hereingezogen. Nur vier Piloten schafften in einem kurzen Wetterfenster einen Start um die Mittagszeit und den Abflug von Bayreuth.

Heiko Hertrich mit Tochter Ylva auf dem Copilotensitz, die als einzige ohne Hilfsmotor unterwegs waren, gingen sofort nach dem Windenstart das Risiko ein, sofort wieder auf einer Wiese bei Goldkronach landen zu müssen. Ein letzter Sonnenstrahl schien auf die Hangkante des Fichtelgebirges und löste einen schwachen Aufwind aus. Mit viel Mühe gelang es Hertrich von 200 Meter über dem Boden bis auf 1000 Meter zu steigen. Dann ermöglichte der gute Gleitwinkel seines Seglers den Anschluss in den wesentlich besseren Frankenwald.

Inzwischen war auch Sebastian Baier gestartet und konnte unter Einsatz seines kleinen Hilfsmotors bis zu Hertrich aufschließen. Im Teamflug wollten beide nun gegen den starken Westwind so weit wie möglich vorankommen. Über Thurnau führte ihr Flugweg nach Lichtenfels und Coburg. Dort wurden die Bedingungen sogar richtig gut. Aufwindreiche Wolkenstraßen ermöglichten einen einfacheren Flug weiter über Rodach und die Haßberge bis nach Bad Kissingen. Dann war ein Weiterflug nicht mehr möglich, weil wieder eine dichte Wolkendecke jegliche Sonneneinstrahlung behinderte. Zudem entstanden schon zahlreiche Schauer und Gewitter.

Sebastian Baier konnte in dem kurzen Wetterfenster am Sonntag starten und Heiko Hertrich Richtung Frankenwald folgen. Dort waren die bedingungen wesentlich besser als daheim.

Der Rückflug nach Bayreuth begann zuerst recht einfach. Hertrich konnte den Rückenwind optimal nutzen. Er schaffte es, immer in Höhen über 1000 Meter zu bleiben und musstenur für wenige Kreise in starken Aufwinden stoppen. Erst bei Kronach war die schnelle Jagd zu Ende. Durch einen Regenschauer über Bayreuth wurde der Boden stark abgekühlt und so keine Lufterwärmung mehr zugelassen. Baier fand keinen Aufwind mehr und musste wiederum seinen Motor anlassen, um noch nach Hause zu kommen. Trotzdem geht seine Leistung in die Bundesligawertung ein, weil Baier genügend lange im reinen Segelflug unterwegs war.

72,6 km/h sind seine Ausbeute. Hertrich musste lange an der Radspitze bei Kronach kämpfen, um aus einem letzten schwachen Aufwind die benötigte Höhe von 800 Meter für einen sicheren Gleitflug nach Bayreuth heraus zu holen. Auch ihm gelingt ein Flug mit 72,2 km/h.

Alexander Müller und Wolfgang Clas verfolgten nach ihrem Start eine andere Strategie. Ihre Segelflugzeuge mit Klapptriebwerk sind selbststartend. Dadurch konnten sie gleich nach dem Start über das Fichtelgebirge hinweg in die bessere Thermik fliegen. Beide setzten diese Richtung nach Nordosten weiter fort und gelangten bis nach Gera. Erst dort wendeten die großen Supersegler mit 28 Meter Spannweite und versuchten nördlich des Thüringer Waldes gegen den Wind nach Westen zu fliegen. Anfänglich klappte dies auch gut und Müller gelang nach langem Probieren in schwachen Aufwinden der Sprung über den schon mit Schauern übersäten Höhenzug. Clas strauchelte in einem dieser unrunden und turbulenten Aufwinde und musste seinen Motor anlassen, um zurück nach Bayreuth zu kommen. Da Clas nur zwei Stunden reine Segelflugzeit vorweisen kann, wird seine Leistung der Regel entsprechend auf 2,5 Stunden hochgerechnet. Mit 61,6 km/h konnte er deshalb diesmal nicht in die drei Piloten starke Bayreuther Mannschaft gewertet werden, weil Müller nach einem kurzen Ausflug bis nach Bad Neustadt/Saale wieder den Weg bis nach Bayreuth fand und mit 79,9 km/h das beste Bayreuther Ergebnis ablieferte.

Mit 224,7 km/h erreicht die Bayreuther Mannschaft leider nur Rundenplatz 17. Sieger wurden Mannschaften aus dem Norden und dem Schwarzwald. Der Fliegerclub Charlottenburg-Berlin erzielte gute 339,0 km/h und kassiert 20 Punkte. Knapp gefolgt vom Fliegerklub Brandenburg (336,5) und dem Luftsportverein Schwarzwald (320,4). Bayreuth verliert einen weiteren Tabellenplatz und liegt mit 103 Punkten auf Platz 10, knapp hinter Rinteln (104) und vor Blaubeuren (101). Weiterhin werden die ersten vier Tabellenplätze von Mannschaften aus dem Norden gehalten. Burgdorf führt mit 195 Punkten vor Braunschweig (184), Berlin (164) und Brandenburg (158).

Auch in der World-League ist die Ausbeute nicht gut. Für den 52. Rundenplatz gibt es nur einen Trostpunkt für die Teilnahme und der amtierende Weltmeister Bayreuth fällt auf Tabellenplatz 16 zurück. Die Chancen auf eine Titelverteidigung liegen damit praktisch bei null. Es scheint, dass nun die große Zeit der nordamerikanischen Vereine angebrochen ist. Alle drei ersten Rundenplätze gehen in den Westen der USA. Mit über 388 km/h wird der Soaring Club aus Minden (Nevada) Sieger, gefolgt von Soar Truckee (372), ebenfalls aus Nevada und Moriarty Soaring aus Albuquerque (Arizona, 343). Die internationale Tabelle wird noch von den deutschen Vereinen aus Burgdorf, Braunschweig und Brandenburg angeführt. Aber auf Platz 4 liegt schon Moriarty und kommt in großen Schritten näher. Wie auch die Vereine in der Mitte und im Süden Deutschlands, so hoffen auch die Amerikaner auf eine ausgleichende Gerechtigkeit des Wetters und nicht nur laufend sehr gute Segelflugbedingungen im Norden Deutschlands.