Rundenbericht 12/2017

Bayreuth klettert auf Tabellenplatz 4

Ferdinand Hauck

Die 12. Runde der Segelflug-Bundesliga endete mit einer sehr geringen Zahl an teilnehmenden Mannschaften. Bedingt durch ein ausgeprägtes Tiefdrucksystem über der Nordsee zogen immer wieder größere und kleinere Fronten über ganz Deutschland und hielten die Segler am Boden. Die LSG gehörte zu den wenigen Glücklichen, die eine volle Mannschaft mit drei Piloten in die Luft bringen konnte.

Die zugehörige kalte und feuchte Luftmasse ließ in weiten Teilen des Landes keine Aufwinde entstehen. Nur kleine Gebiete zwischen der Donau und den Alpen verlockten die dort beheimateten Vereine am Samstag zum Segelflug. Ausgerechnet die drei Mannschaften an der Tabellenspitze konnten diese Lücke optimal nutzen. Aalen, Donauwörth und Königsdorf führten zur Halbzeit die Rundenwertung an und setzten sich wohl uneinholbar weiter vom restlichen Feld ab.

In Bayreuth bot sich samstags keine Gelegenheit für Streckenflüge. Am Sonntag sollten die Bedingungen nochmals schlechter werden. Jedoch tat sich am Morgen eine Chance für die Oberpfalz auf. Sofort waren sechs Bayreuther Piloten hellwach und beobachteten gespannt die aktuellen Satellitenbilder und das Regenradar. Tatsächlich wurde eine nutzbare Zone vom starken Nordwestwind rechtzeitig zur Mittagszeit nach Oberfranken und weiter in die Oberpfalz geblasen. Auch die wichtige Wolkenuntergrenze stieg immer weiter an. Bald konnte man vom Flugplatz Bayreuth aus den Sendemast auf dem Ochsenkopf sehen. Dies war das Zeichen zum Aufbruch. Lothar Schmidt machte den Pfadfinder und berichtete bald von annehmbaren Steigwerten, aber auch von starker Versetzung mit dem Wind. Ob es gelingen könnte, nach der 2:30 Stunden langen Wertungszeit wieder gegen den Wind zurück nach Bayreuth zu kommen, glaubte deshalb niemand. Flugzeuge mit Hilfsmotor an Bord geben dabei dem Piloten viel mehr taktischen Spielraum, um die besten Bedingungen bis zuletzt auszunutzen und dann doch noch ohne Außenlandung zurück fliegen zu können. Piloten ohne Motor müssen dagegen mit einer langen Rückholtour rechnen und entsprechend defensiver fliegen.

So vorbereitet ging schließlich Heiko Hertrich an den Start und holte erst einmal ein paar Kilometer gegen den Wind aus. Allerdings musste er schon bei Thurnau wieder umkehren, weil die Wolken dort vor einer bereits anrückenden schwachen Front keinen großen Spielraum zum Boden mehr zuließen. Inzwischen waren auch Wolfgang Clas und Andreas Baier gestartet und sofort Richtung Weiden losgeflogen. Pech hatten Johannes Baier und Friedhelm Lotte, die wegen Verzögerungen im Betriebsablauf warten mussten. Als sie später wieder hätten starten können, waren die Aufwindbedingungen in Bayreuth ersichtlich auf null geschrumpft. So mussten sie ihre Flugzeuge unverrichteter Dinge wieder verstauen.

Andreas Baier war inzwischen bei Weiden unterwegs, hatte aber unter dichten Wolken große Probleme, die so wichtigen guten Aufwinde zu finden. Nach vielen erfolglosen Suchkreisen musste er schließlich in niedriger Höhe seinen Hilfsantrieb zünden, um damit wieder nach Bayreuth zu gelangen. Besser erwischte Clas einen schwachen Thermikschlauch in geringer Höhe über dem Pressather Wald. Damit konnte er der Spur von Schmidt in den Oberpfälzer Wald folgen.

Auch Hertrich gelang ein guter Flug über Weiden hinaus in dieses gute Gebiet. Mangels Motor entschied er sich aber schon kurz nach Oberviechtach umzukehren, um nun gegen den Wind wieder so weit wie möglich an Bayreuth heran zu kommen. Schmidt und Clas flogen unbeirrt weiter mit dem Wind bis an den Rand des Bayerischen Waldes. Da dort die Wolken die Berge verhüllten, mussten nun auch sie kehrt machen. Inzwischen verschlechterten sich die Aufwinde wieder, da die vielen Wolken fast keine Sonne mehr durchscheinen ließen. Zudem erschwerte der Wind den Weiterflug Richtung Heimat. Schließlich mussten beide ihre Motoren anlassen, um überhaupt noch vorwärts zu kommen. Die Wertung für einen gültigen Bundesligaflug endete damit natürlich. Schmidt schaffte 57,1, Clas 50,4 km/h, weil beide nicht die vollen 2:30 Wertungszeit ausnützen konnten. Die erzielte Strecke bis zum Zünden des Motors wird dann auf diese Zeit hochgerechnet.

Besser konnte Hertrich die letzten Sonnenflecken im Naabtal verwerten. Mit vielen kleinen Umwegen und vorsichtigem Fliegen gelang es ihm trotz langer Gleitstrecken immer wieder, brauchbare Aufwinde zu finden. Diese Geduld zahlte sich aus, indem er nach genau 3 Stunden Flugzeit wieder in Bayreuth landen konnte, musste aber mit einer langsamen Geschwindigkeit erkauft werden. Weil Hertrich die komplette Wertungszeit ausnutzen konnte, erzielte er trotzdem mit 64,9 km/h das beste Bayreuther Ergebnis der Runde und freute sich, nicht auf einer Wiese in der Oberpfalz gelandet zu sein.

 

Heiko Hertrich, hier mit seiner Frau Susanne als Co-Pilotin, prägte schon vor einigen Jahren den Spruch "Die Bundesliga wird bei schlechtem Wetter gewonnen" und bewies dies mit dem schnellsten Bayreuther Flug am vergangenen Wochenende. Die Ausbeute von 15 Punkten spricht für sich.  


Mit der Mannschaftsleistung dieser drei Flüge von gesamt 172,4 km/h liegt Bayreuth auf dem vierten Rundenplatz und kann 15 Punkte für die Tabelle mitnehmen und auch dort den vierten Platz mit 127 Punkten einnehmen. Begünstigt wurde dies dadurch, dass der bisherige Vierte, die FG Schwäbisch Gmünd, eine Nullrunde hingelegt hat.

So viele Punkte für Bayreuth waren angesichts des komplizierten und schwierigen Wetters nicht zu erwarten. Allerdings konnten auch nur neun der 30 Mannschaften der 1. Bundesliga überhaupt Flüge einreichen, weswegen der Rundensieger nur 18 statt 20 Punkte erhält. Für die folgenden Plätze gab es wie gewohnt je einen Punkt weniger. Diese Regel ist bislang nur sehr selten zum Einsatz gekommen.

Rundensieger Aalen setzt seinen Siegeszug mit 284,6 km/h fort und vergrößert den Tabellenvorsprung erneut auf nun 164 Punkte und liegt damit schon 15 Punkte vor der SFG Donauwörth-Monheim, die ebenfalls mit 179,1 km/h auf Rundenplatz drei gut punkten konnte.

Königsdorf sicherte sich als Rundenzweiter mit 268,5 km/h 17 Punkte und hat als Tabellendritter jetzt 5 Punkte Vorsprung auf Bayreuth. Dieser Podiumsplatz ist nun das Ziel für Bayreuth, da man annehmen muss, dass die weit vorne liegenden Aalener und Donauwörther weiterhin hoch motiviert um den Titel kämpfen werden.

Auch international führt Aalen weiterhin unangefochten die Weltliga mit 294 Punkten an, obwohl diese Runde ausschließlich von amerikanischen und finnischen Mannschaften beherrscht wurde. So gewinnt Moriarty aus New Mexico mit 462,1 km/h vor weiteren sieben US-Vereinen. Nach zwei finnischen und einem weiteren US-Club liegt Aalen erst auf Rundenplatz 12. Viele weitere ausländische Mannschaften folgen, bis schließlich Bayreuth auf Rundenplatz 39 erscheint und immerhin 2 Punkte für den Tabellenstand von 190 Punkten und damit Platz 8 kassieren kann.