Rundenbericht 16/2018

LSG wieder an der Tabellenspitze

Ferdinand Hauck

Kaum hat die Luftsportgemeinschaft Bayreuth die Tabellenführung der 1. Segelflug-Bundesliga verloren, gelingt in der 15. Runde eine eindrucksvolle Rückkehr zur Spitze. Das Wetter hätte wohl auch Langstreckenflüge zugelassen, jedoch gab Teamchef Andreas Baier die Devise zur vollen Konzentration auf ein gutes Ligaergebnis aus.

Zehn Piloten verfolgten während des Wochenendes dieses Ziel, mit taktisch auf die Ligaregeln abgestimmten Flugwegen. Sie starteten spät, um sofort bei guter Thermik den Energie liefernden Aufwindlinien folgen zu können. Außerdem dürfen sie maximal vier Flugschenkel in nicht zu großer Entfernung von Bayreuth fliegen, am besten in Windrichtung.

Der Segelflugwetterbericht prognostizierte gute Bedingungen für beide Tage, jedoch sollten am Samstag noch frühe Schauer und Gewitter die Thermik bremsen. So beschlossen die LSGler den Samstag für kurze schnelle Trainingsflüge zu nutzen und sich auf den Sonntag zu konzentrieren.

Es kam jedoch anders: Die starken Aufwinde, die später die Schauer erzeugten, waren schon am Samstag optimal für Flüge in einem kleinen Wetterfenster von 3 Stunden. So flog Martin Brühl zuerst nach Westen bis in die Gegend der Hassberge, setzte danach einen schnellen langen Schenkel bis Tirschenreuth an und konnte auch beim anschließenden Heimflug nach Bayreuth noch gute Aufwindlinien bis 2000 Meter über Grund nutzen. Dies brachte ihm nach recht genau 2,5 Stunden ein hervorragendes Ergebnis von 122,5 km/h ein.


Martin Brühl konnte mit der Neuanschaffung der LSG Bayreuth, einer LS 8, den schnellsten Flug der LSG an diesem Wochenende zurücklegen.


Auch Andreas Baier gelang ein ähnlich guter Flug. Er holte zuerst etwas weiter nach Westen aus und konnte dann einen sehr schnellen Flugschenkel über 100 Kilometer zurück ins Fichtelgebirge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 176,5 km/h und ohne einen einzigen Kreis anschließen. Eine weitere Jojo-Strecke bis Ebern und zurück musste er schon wegen drohender Gewitter mit Umwegen zurücklegen. Am Ende standen für ihn 121,2 km/h in der Wertung.

Auch sein Bruder Johannes Baier ging es zum Ende seines Wertungsfluges ähnlich. Er musste wegen der Gewitter sogar 10 Minuten zu früh landen und verlor durch die Hochrechnung auf die Mindestwertungszeit wertvolle Geschwindigkeit. Immerhin vervollständigte sein Ergebnis von 114,0 km/h die Bayreuther Mannschaftsleistung.

Die anderen Piloten kamen durch eine falsche Routenwahl, die oft genau in die Gewitterlinien führte, oder zu frühen Landungen durch anziehende Schauer nicht an dieses Trio heran. Beim abendlichen Grillen waren die Piloten der LSG trotzdem über die Halbzeitwertung erfreut: Zweiter Rundenplatz, bei gleichzeitiger schlechter Platzierung für den bisherigen Tabellenführer aus Aalen. Schneller war nur die FLG Blaubeuren. Die Live-Wertung hat die LSG bereits wieder als Tabellenführer ausgewiesen.

Nun hieß es also, die schon sehr guten Samstagsergebnisse am Sonntag zu toppen. Da für die Schwäbische Alb wesentlich besseres Wetter und damit die mögliche Revanche für Aalen zu erwarten war, konnten die Bayreuther nicht ruhen.

Erst kurz nach 13 Uhr startete Friedhelm Lotte als Erster, gefolgt von Wolfgang Clas. Beide bekamen auf ihren ersten Kilometern nach Kronach und Coburg jedoch bald Probleme. Entgegen der Vorhersage fanden sie keine guten Steigwerte und auch nur niedrige Wolken. Später am Tag wurde es besser und die Gestarteten konnten noch schöne Flüge bis 400 Kilometer absolvieren. Die Schnittgeschwindigkeiten um die 100 km/h reichten jedoch nicht aus, um die Ergebnisse des Vortages zu verbessern.

So war es am Abend spannend zu beobachten, wie die Konkurrenten der Reihe nach ihre Flüge in das Meldeportal eingaben und die Wertungsliste hin- und hersprang. Einmal machte Aalen mit einem guten Flug ein paar Plätze gut, dann schoben sich wieder Vereine aus anderen Regionen zwischen Bayreuth und Aalen. Als schließlich feststand, dass die erzielte Bayreuther Leistung von 357,8 km/h aus den Samstags-Flügen von Brühl, Andreas und Johannes Baier für den zweiten Rundenplatz und 19 Punkte ausreichte, um Aalen, das mit 319,9 km/h nur den 14. Platz mit 7 Punkten erreichte, wieder von der Tabellenspitze zu verdrängen, konnten die Flieger am Bindlacher Berg den Abend erst richtig genießen.

Bayreuth führt nun wieder mit 214 Punkten vor Aalen (210 Punkte). Auch die anderen Konkurrenten auf den folgenden Tabellenplätzen mussten weitere Federn lassen. Insbesondere der Tabellendritte, die FG Schwäbisch Gmünd, konnte nur einen einzigen Punkt für einen 26. Rundenplatz erringen. Somit zeichnet sich ein spannender Zweikampf um den Titel für die letzten drei Runden der Saison ab.

In der Welt-Liga zog Moriarty Soaring aus New Mexico, USA an Aalen vorbei. Als zweite sind die Amerikaner nun der wichtigste Verfolger der LSG Bayreuth, die nach wie vor auch weltweit auf Rang 1 steht. Mit einem Rundensieg (385,3 km/h) schiebt sich Moriarty (387 Punkte) bis auf 25 Punkte an Bayreuth (412) heran. Trotzdem verliert Bayreuth mit Rundenplatz 5 nur vier Punkte und kann somit zum zweiten Mal nach 2015 auf den Weltmeister-Titel hoffen. Entscheidend wird sein wie unterschiedlich sich das Wetter an den nächsten drei Wochenenden in Nordbayern gegenüber den Rocky Mountains entwickelt. Aber auch der LSR Aalen (376) hat noch berechtigte Chancen, seinen Vorjahrestitel zu verteidigen, weil ein Sieg in der World-League gleich 40 Punkte bringt.