Rundenbericht 17/2017

LSG klopft ans Weltliga-Podium

Ferdinand Hauck

Die drittletzte Runde der Segelflug-Bundesliga 2018 war sehr spannend. Alle Mannschaften, die noch Hoffnung auf einen Podiumsplatz hatten, sowie die potentiellen Absteiger boten alles für den Endspurt auf. Zusätzlich machte es das Wetter kompliziert. Waren am Samstag die Vereine im Süden der Republik bevorzugt, so sollte es am Sonntag der Norden besser haben. Bayreuth lag genau an dieser Wettergrenze. Samstag beeinflusste schon die anziehende Front die Thermik und machte Streckensegelflüge in Oberfranken unmöglich. Sonntagvormittag lagen noch die Reste der Front über der Region. Deshalb setzten die Piloten alles auf eine Karte und starteten ausnahmslos nach Norden.

Alexander Müller legte als Erster los und musste lange mit niedrigen Wolken und schwachen Aufwinden kämpfen, bis er endlich bei Suhl den bodennahen Bereich verlassen konnte. Die thermischen Bedingungen wurden immer besser, je weiter Müller nach Norden flog. Deshalb wendete er erst nördlich von Göttingen und setzte seinen Flug dann mit dem Westwind fliegend über den Harz und südlich an Berlin vorbei bis an die polnische Grenze fort.

Selten wird diese Route von Bayreuth aus gewählt, aber diesmal war die Streckenwahl goldrichtig. Mit 122,6 km/h erzielt Müller den drittschnellsten Flug der 17. Bundesligarunde. Lothar Schmidt wählte eine eher altbewährte Routenführung, indem er den Thüringer Wald mehrfach hin- und herflog. Zum späten Nachmittag bildete sich zwischen Kronach und Eisenach eine einzige lange Wolke, die lange kreislose Strecken zuließ. Mit 100,6 km/h erzielte Schmidt die zweitbeste Bayreuther Rundenleistung. Die Mannschaft vervollständigte diesmal Wolfgang Clas mit 94,9 km/h. Er folgte zunächst Müller bis in den Harz, hatte aber dann mehrfach Probleme, weil er dem Boden zu nahe kam und schwache Aufwinde annehmen musste. Daraufhin beschloss Clas direkt zurück nach Bayreuth zu fliegen. Vier weitere Piloten versuchten zum Teil ähnliche Streckenführungen, hatten aber weniger Erfolg.

Die Mannschaftsleistung von 318,2 km/h aus der Summe der Flüge von Müller, Schmidt und Clas reicht trotz des schwierigen Wetters für einen achten Rundenplatz und weitere 13 Punkte. Der dritte Tabellenplatz kann damit gefestigt und der Abstand zum Vizetitel leicht um einen Punkt verkürzt werden.

Tabellenführer LSR Aalen kann sich mit Rundenplatz sieben den Meistertitel sichern. Bei noch 40 erreichbaren Punkten reichen die 248 Punkte vor Donauwörth mit 202 Zählern.

Aalen auf Rundenplatz sieben, Bayreuth auf acht, der Tabellenzweite Donauwörth auf Rang neun – das Ergebnis hatte was von einem toten Rennen. Aber die Verfolger auf Tabellenplatz vier und fünf verloren trotz aller Bemühungen stark an Punkten. Das SFZ Königsdorf hat nun 20 Punkte Rückstand auf Bayreuth, womit der vom dortigen Teamkapitän Michael Schunk verkündete Angriff aufs Podium ausblieb. Donauwörth muss mit 202 Punkten stattdessen aufpassen, dass Bayreuth mit nun 190 Punkten ihnen nicht noch die Vizemeisterschaft abnimmt.

Rundensieger wird der potenzielle Absteiger Aeroclub Pirna mit 362,3 km/h, gefolgt von drei weiteren Abstiegskandidaten aus Celle, Berlin und Brandenburg. Alle vier haben natürlich nun Hoffnung, den Abstieg vermeiden zu können. Interessant auch der Blick in die zweite Liga. Dort kann sich Schwandorf schon zwei Runden vor Saisonende über den gelungenen Wiederaufstieg freuen. Auch Lichtenfels auf Tabellenplatz zwei ist kaum mehr am Aufstieg zu hindern.

Für die Weltliga kann Heiko Hertrich wieder einen hervorragenden Flug aus den französichen Seealpen beisteuern. 125,1 km/h stellen den weltweit zweitschnellsten Flug der Runde dar. Hertrich war bei diesem Flug insgesamt 925,1 km zwischen Mittelmeer und dem italienischen Aosta-Tal unterwegs – einer seiner größten Flüge überhaupt.

Exotische Wendepunkte für Bayreuther Sportler: Während Alexander Müller nach Norden bis zum Harz flog, startete Heiko Hertrich (hier im Bild) mit seinem Flugzeug im französischen La Motte du Caire, flog 925 km bis kurz vors Mittelmeer und anschließend ins italienische Aosta-Tal. Hertrich konnte mit dem zweitschnellsten Flug der Weltliga die LSG bis auf drei Punkte ans Podium heran führen.

Zusammen mit den Flügen von Müller und Schmidt reichen die 348,4 km/h für einen vierten Rundenplatz weltweit. Damit gelingt es Bayreuth, den amerikanischen Minden Soaring Club (Nevada) zu überholen. Die LSG steht damit nun auf dem viertel Tabellenplatz der World League. Aalen führt auch hier mit 451 Punkten die Tabelle an, kann aber theoretisch noch von Moriarty Soaring (New Mexico) mit 405 Punkten eingeholt werden, da es 40 Punkte für einen Rundensieg in der World-League gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber bei der hohen Motivation der Aalener gering. Spannend wird es bei Kampf um Platz drei: Die Soaring Society of Boulder (Colorado) hat 329 Punkte, Bayreuth 326.