Rundenbericht 17/2018

"Nur" noch Weltligaspitze

Ferdinand Hauck

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen spannend wie seit Jahren nicht mehr liefern sich derzeit der LSR Aalen und die LSG Bayreuth an der Spitze der 1. Segelflug-Bundesliga. Dieses Wochenende hatte Aalen wieder die Nase vorne. Bayreuth bleibt jedoch Erster der World League - und muss diese Führung noch zwei Wochen verteidigen.


Viele Stammpiloten privat verhindert, böiger Wind, der die Aufwinde förmlich zerriss und eine im Ganzen uneindeutige Wetterlage - es waren nicht die einfachsten Bedingungen für das Bundesliga-Team der LSG und seinen Kapitän Andreas Baier am Wochenende.

So blieb ihm am Samstag nur, selbst als erster an den Start zu gehen. Insbesondere in den unteren Luftschichten verblies der Wind die aufsteigenden Luftmassen so sehr, dass er sich mit dem Hilfstriebwerk bis auf etwa 1.000 Meter über dem Flugplatz vorarbeiten musste, bevor ein Übergang in einen sportlichen Segelflug möglich war. Baier flog zunächst gegen den starken Westwind bis Hammelburg, um dort um kurz vor zwei seine Wertung zu beginnen. Die Hilfe des Rückenwinds trieb ihn mit rund 140 km/h nach Osten. Die Hoffnung am Frankenwald stärkere Aufwinde vorzufinden, führte ihn ab Bamberg in einem leichten Bogen nach Norden. Mit 164 km/h war er auf diesem Stück sogar noch etwas schneller. Über dem kleinen Segelfluggelände Titschendorf bei Nordhalben nahm er den Kampf gegen den Wind wieder auf. Trotzdem ging es mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 127 km/h noch passabel vorwärts, so dass er erst kurz vor der Rhön wieder auf Rückenwindkurs ging, um sich erneut nach Titschendorf pusten zu lassen. Knapp 140 km/h "echte" Durchschnittsgeschwiindigkeit konnte Baier nach den 2,5 Wertungsstunden vorweisen. Durch die Verrechnung mit einem Index für seinen Flugzeugtyp kam er so auf eine Wertung von 118,59 km/h.


LSG-Teamkapitän Andreas Baier hatte am Wochenende nicht nur Grund zum Strahlen. Zwar war er selbst mit 118,59 km/h der schnellste Bayreuther, die Bundesligaführung musste Bayreuth aber zunächst wieder abgeben. Weltweit bleibt die Luftsportgemeinschaft trotzdem auf Platz eins.


Am Bindlacher Berg fanden sich nur Wolfgang Clas und Martin Brühl zu weiteren Streckenflügen ein. Clas folgte Baier mit etwa einer halben Stunde Abstand nach Westen, flog aber nicht auf den Gebirgskamm des Frankenwaldes und somit etwas südlicher als Baier. 110,75 km/h standen für Clas am Ende in der Wertung.

Blieb noch Martin Brühl, der es noch etwas südlicher probierte, aber letztlich nur auf 104,86 km/h kam - "zu langsam" wie er gleich nach der Landung selbst sagte.

Am Flugplatz von Bayreuths Partnerstadt Rudolstadt stand allerdings noch ein Joker bereit: Johannes Baier, Bruder des Teamkapitäns. Er startete schon um halb eins, flog über den Thüringer Wald hinweg bis vor die Rhön, dort zwei Mal hin und her und zurück bis Jena. Mit diesem 2,5-stündigen Wertungsfenster kam er auf ein Ergebnis von 115,42 km/h. Anschließend versuchte er diesen Schnitt im Thüringer Becken und Richtung Harz noch etwas anzuheben, aber letztlich blieb dieser Teil ein Spazierflug. Direkt über den Erfurter Flughafen hinweg ging es für ihn zurück nach Rudolstadt. Damit hat er der LSG zu 10 weiteren km/h zur Geschwindigkeitssumme von 344,76 km/h verholfen.

Als abends die Flugschreiberdateien ins Wertungsportal hochgeladen wurden, sah es eine ganze Zeit lang so aus, als könne es gerade reichen, um die Bundesliga-Tabellenführung vor Aalen zu verteidigen. Doch nachdem Aalen den dritten Flug über 120 km/h hochgeladen hatte, wurde es ein souveräner Rundensieg für die Schwaben.

Alle Bemühungen sonntags die Leistung zu steigern, waren durch die schwächeren Wetterverhältnisse zum Scheitern verurteilt. Die Bayreuther 344 km/h reichten somit für Platz acht und immerhin 13 Punkte, so dass Aalen zwar die Tabellenspitze übernehmen konnte, Bayreuth aber mit drei Punkten Rückstand in Schlagdistanz bleibt.

Seit drei Wochen wechseln sich die beiden Favoriten wöchentlich ab. So spannend war die Bundesliga-Meisterschaft mindestens seit 2015 nicht mehr, als die LSG Bayreuth sich über die letzten fünf Wochen ein Rennen mit einem bis drei Punkten Vorsprung vor dem LSV Schwarzwald lieferte - und letztlich siegreich die Saison zu Ende brachte.

International schaut es für Bayreuth überraschenderweise besser aus. Gründe hierfür sind die Wertung in Relation zu allen Vereinen weltweit und ein sehr guter Frankreich-Flug von Heiko Hertrich vor zwei Wochen.

Die 344 km/h an diesem Wochenende bedeuten zwar nur einen dreizehnten Rundenplatz, da Aalen aber auch nur Rundendritter hinter zwei deutschen Zweitligisten wurde, reicht der Vorsprung der LSG um die Tabellenführung zu verteidigen. Wichtiger war aber, dass das Wetter in den USA nicht mit Deutschland mithalten konnte. Der bisherige zweitplatzierte Club Moriarty Soaring aus New Mexico kommt nur auf den 99. Rundenplatz und einen Punkt. Moriarty ist damit immerhin noch drittbester US-Club, während u.a. 77 deutsche Vereine vor dem Mitfavoriten liegen. Für Moriarty ist das ein Déja-vu aus der letzten Runde 2015, als Bayreuth völlig überraschend noch vom dritten Tabellenplatz zum Weltligasieger aufstieg.

Rundensieger der World League wurde der DJK Landau aus der Pfalz mit 381,28 km/h. Aalen ist nun wieder Tabellenzweiter und auch Tabellenführer Bayreuth gewinnt Luft auf die Amerikaner. In der Tabelle sind es nun 26 Punkte Vorsprung auf Aalen und 52 vor Moriarty. Gewinnt einer der Clubs die beiden verbleibenden Runden, kann er noch 80 Punkte erreichen, was auch bedeutet, dass rein rechnerisch die ersten drei den Weltmeistertitel unter sich ausmachen werden. Die LSG Bayreuth hat hierzu momentan eine wesentlich bessere Ausgangsposition als in der Bundesliga.