Rundenbericht 18/2018

Kopf-an-Kopf-Rennen bleibt spannend

Ferdinand Hauck

Das Rennen um den Gewinn von Segelflug-Bundes- und Weltliga bleibt auch nach der vorletzten Runde offen. Mit einem sechsten Rundenplatz kann Bayreuth nichts auf den Bundesliga-Titelverteidiger aus Aalen gutmachen. Doch in der World League bleibt die LSG Bayreuth in Führung. Bei maximal 40 zu vergebenden Punkten in der letzten Runde kann es jedoch nochmal knapp werden, denn auch diesen Titel will Aalen unbedingt verteidigen.


Die 18. Runde begann für die LSG eigentlich gut. Schnelle samstägliche Flüge sahen Bayreuth auf Rundenplatz 1. Ein fast familiäres Dreierteam aus Andreas, Sebastian und Georg Baier mischte die Oberpfalz auf, wobei Georg im Doppelsitzer dem erfahrenen Berufspiloten Frank Hegner als verantwortlichem Piloten die Steuerung überließ, ihn aber während des Fluges in die Besonderheiten der Ligafliegerei und die Optimierungsmethoden des schnellen Segelfuges einwies.


Vierter im Bunde war Heiko Hertrich, der aber durch etwas risikofreudigeres Fliegen einmal in einen Regenschauer geriet, der ihn fast zur Landung zwang. Erfreut war das Team am Abend, als die Halbzeitführung feststand und zumindest die Aussicht bestand, einen Punkt auf Aalen aufzuholen.

Die Hauptkonkurrenten hatten bemerkt, dass ihnen bei einem Start von ihrem Heimatflugplatz keine schnellen Flüge gelingen könnten. Deshalb haben sie ihre Flugzeuge in den Transportanhängern verstaut und sind nach Regensburg gefahren. Von dort aus wollten sie die besseren thermischen Bedingungen der Oberpfalz nutzen. Dies haben die Aalener dann optimal genutzt und den zweiten Platz hinter Bayreuth gesichert.


LSG-Teamkapitän Andreas Baier hatte am Wochenende nicht nur Grund zum Strahlen. Zwar war er selbst mit 118,14 km/h der schnellste Bayreuther, zur Rückeroberung der Bundesligaführung hat es für die Bayreuther aber nicht gereicht.



Das war aber nur das Zwischenergebnis vom Samstag. Weil die Wettervorhersage für den zweiten Tag etwas besser erschien, rief der Bayreuther Teamchef Andreas Baier nochmals alle Piloten zu Flügen auf. Tatsächlich folgten neun Bundesligaflieger diesem Aufruf und versuchten, die Mannschaftsleistungen des Vortages zu verbessern. Für den Vereinsmeteorologen Lothar Schmidt war es schwierig, die beste Flugrichtung zu analysieren. Erst als er selbst in der Luft war, gab er das Erzgebirge als vermutlich beste Aufwindaufreihung aus. Fast alle Bayreuther machten sich deshalb auf, die Hauptkammlinie über Oberwiesenthal und dem Fichtelberg bis zu den großen Kraftwerken in Tschechien zu folgen. Dankenswerterweise ermöglichten die Radarlotsen auch problemlos das mehrfache Queren des für Segelflug eigentlich gesperrten Luftraumes rund um den Flughafen Karlsbad. Leider hatte jeder Pilot irgendwann einmal etwas Mühe die Energielinien optimal zu treffen, oder musste zu tief abgleiten, bis wieder ein guter Aufwind da war. Solche Probleme reduzieren sofort den Geschwindigkeitsschnitt über die Wertungszeit.

So blieb einzig Lothar Schmidt übrig, der das Gesamtergebnis des Vortages geringfügig verbessern konnte. Die Bayreuther Mannschaftsleistung von 349,1 km/h wird somit aus den Samstagsflügen von Andreas Baier (118,1 km/h) und Sebastian Baier (116,3), sowie Schmidts Sonntagsflug (114,7) gebildet.

Die Hoffnung, damit die Rundenführung aus der Halbzeit behalten zu können, zerschlug sich bald. Sehr erstaunt waren die Bayreuther als abends die Ergebnisse der Konkurrenten im Wertungsportal auftauchten: Scheinbar hat es der Wettergott mit der Schwäbischen Alb wieder einmal sehr gut gemeint. Wesentlich höhere Schnittgeschwindigkeiten wurden von den dort beheimateten Vereinen vorgelegt. Rundensieger FLG Blaubeuren schoss den Vogel mit über 424 km/h ab. Nationalmannschaftsmitglied Sebastian Bauder erzielte die weltweit schnellste Geschwindigkeit von 142,7 km/h. Auch Aalen nutzte die tolle Wetterentwicklung über der Alb zu 404 km/h und sicherte sich damit den zweiten Rundenplatz und 19 Punkte. Donauwörth und Schwäbisch Gmünd können sich mit gleichen Flugstrecken vor Bayreuth schieben. Schwäbisch Gmünd hat sich damit bereits die Bronzemedaille gesichert, da die Gmünder sowohl nach vorne als auch nach hinten über einen Rundensieg Abstand zu den Tabellennnachbarn haben.

Auch Königsdorf auf Rundenplatz fünf kann Bayreuth knapp schlagen und einen weiteren Punkt im Vergleich zu Aalen abnehmen. Für den sechsten Platz erhält Bayreuth vier Punkte weniger als Aalen, die seit der letzten Runde schon mit drei Punkten führten. Nun wird es schwer für Bayreuth, die Differenz von 7 Punkten in der verbleibenden Runde aufzuholen, zumal es Aalen wiederholt schaffte, 16 Piloten ins Rennen zu schicken. Für das Finale werden die Schwaben kaum weniger Aufwand treiben.

Sollten die Wetteraussichten für den nordbayerischen Raum gut sein, darf man sogar damit rechnen, dass Aalen mit großen Mannschaftsteilen in die Nähe von Bayreuth verlagern wird, um kein Risiko eines größeren Punktverlustes einzugehen.

Überraschenderweise zeigen die sonst so stark aufholenden Mannschaften aus den Vereinigten Staaten kaum verstärkte Aktivitäten für die World-League. Bis auf eine Ausnahme zeigt die Rundenwertung die deutsche Gesamtwertung mit zweiter und dritter Liga. Mit diesen zusätzlichen Konkurrenten steht Bayreuth auf dem 11. Rundenplatz mit 30 Punkten, während Aalen auch hier den zweiten Platz belegt und sich 39 Punkte gutschreiben kann.

Dennoch reicht Bayreuths Punktekonto noch aus, um Aalen in der World League auf dem Vizetitelplatz zu belassen. Durch die etwas andere Punktevergabe und die Wertung von Auslandflügen liegt Bayreuth hier mit 17 Punkten in Führung. Im Gegensatz zur Bundesliga können noch mehrere Mannschaften den Bronzeplatz erreichen. Moriarty Soaring (New Mexico/USA) liegt dabei nur einen Punkt vor Schwäbisch Gmünd und 13 Punkte vor dem bundesdeutschen Zweitligisten aus Gifhorn, der als Aufsteiger in die 1. Bundesliga auch schon feststeht.