Rundenbericht 19/2018

Bayreuther Segelflieger sind Bundes- und Weltligameister!

Ferdinand Hauck

Start writing here...Die Luftsportgemeinschaft Bayreuth hat es mit einem äußerst spannenden Kraftakt geschafft: Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister der Segelflug-Bundesliga und zum zweiten Mal Weltmeister der World-League!

In der 19. und letzten Runde der Saison konnte der Sieg in beiden Ligen nur noch an die Mannschaften aus Aalen und Bayreuth gehen. Das Wetter war für ganz Deutschland recht homogen vorhergesagt, so dass Aalen mit sieben Punkten Vorsprung ins Rennen um den Bundesligasieg gehen konnte und nichts mehr anbrennen lassen wollte. Deutlich wird dies durch die höchste Teilnehmerzahl einer Mannschaft in der ganzen Saison. 23 Piloten gingen in Aalen an den Start.

Bayreuth hatte umgekehrt 17 Punkte Vorsprung in der World League, war aber ebenso ehrgeizig auch den deutschen Meistertitel zu holen. Somit bot auch Bayreuth mit neun Piloten eine relativ hohe Teilnehmerzahl für LSG-Verhältnisse auf. Teamchef Andreas Baier mobilisierte alle verfügbaren Kräfte und entwickelte die Strategie: „Es wird mit hohem Einsatz geflogen! Nur der Rundensieg hilft uns weiter!“. Dass man dabei auch noch auf Schützenhilfe anderer Vereine angewiesen war, die sich zwischen Bayreuth und Aalen schieben mussten, um den Punktvorsprung noch aufholen zu können, war allen Piloten klar.

Und mit einem hervorragenden Flug trug Baier selbst das Meiste zum Sieg bei. Die weitaus schnellste Wertung weltweit von 138,3 km/h sorgte für den zweiten Bayreuther Rundensieg in der Saison. Aber auch alle anderen Piloten trugen zum Erfolg bei.


Andreas Baier hat mit der schnellsten Leistung der Saison ein Tempo in der Durchschnittsgeschwindigkeit eines Formel-1-Rennens vorgelegt und damit den wichtigsten Baustein zum Liga-Sieg gelegt.


So probierte Heiko Hertrich als Erstgestarteter gleich einmal die Strecken gegen den Wind bis in die Rhön aus. Dabei bemerkte er auch gute Aufwindaufreihungen rechts und links seines Kurses. Über Funk konnte er somit dazu beitragen, die Taktik des gesamten Teams zu verfeinern.

Johannes Baier, Friedhelm Lotte und Sebastian Baier schlugen einen mehr südlicheren Kurs Richtung Schweinfurt ein, während Jörg Bachsteffel und Bernd Löser am Rande des Thüringer Waldes entlang flogen. Kurz darauf folgten auch Andreas Baier und Farshad Nowrouz auf den Pfaden von Hertrich.

Am frühen Nachmittag wurde dann sogar der Ausbildungsbetrieb für die Flugschüler eingestellt, damit der eigentlich nur für den Ausbildungsbetrieb reservierte Doppelsitzer vom Typ ASK21 für einen Bundesligaflug zur Verfügung stand. Die Brüder Marcus und Georg Baier legten damit gute 100 km/h vor, obwohl nicht einmal ein Transportanhänger für eine eventuelle Außenlandung zur Verfügung stand. In der Zeit waren alle anderen Bayreuther Piloten bereits im Bereich der Rhön unterwegs. Dort sollte die Wende erfolgen, um anschließend mit dem Wind eine lange Strecke zurück nach Bayreuth und weiter nach Osten zu fliegen. Hier wollte sich das Team in einen mehr Richtung Erzgebirge liegenden Kurs und einen in Richtung Südosten fliegenden Trupp aufteilen.


Doch bald meldete Hertrich eine gut entwickelte Wolkenstraße vom Steinwald bis weit nach Tschechien hinein. Da solche Aufwindlinien schnelles kreislosen Fliegen ermöglichen, entschlossen sich alle Bayreuther dieser Nachricht zu folgen. Andreas Baier musste dazu am wenigsten Umweg in Kauf nehmen, da er auf einer sehr geraden Linie und mit viel Rückenwind von Neustadt/Saale bis nach Staňkov in Tschechien beschleunigen konnte. Wenn er einmal kurz kreisen musste, um wieder in größere Flughöhen zu gelangen, so konnte er sehr gute Aufwinde von bis zu fünf Meter pro Sekunde Steigen finden. Das Risiko, mit dem Wind zu weit nach Tschechien hinein zu fliegen und eventuell den Rückflug nach Bayreuth nicht mehr zu schaffen, ging er wegen seiner eigenen Devise bewusst ein. Und es zahlte sich aus: Ohne Probleme lieferte die gute Thermiklinie genügend Energie, um wieder bequem und schnell den heimatlichen Flugplatz in einer Spitzengeschwindigkeit zu erreichen. Hertrich und Johannes Baier, die zwischenzeitlich zu früh umgekehrt waren, wendeten daraufhin und flogen nochmals Richtung Südosten, mussten aber durch den Gegenwindschenkel Einbußen bei der Geschwindigkeit hinnehmen. Trotzdem hätten die erzielten Leistungen von 122,3 (Hertrich) und 119,9 km/h (J.Baier) für einen Rundensieg gereicht. Glücklicherweise ließen sich Lotte und Sebastian Baier nicht abschrecken, ebenfalls bis weit nach Tschechien abzugleiten, um dann auch unter schönen Aufwindreihungen sicher nach Hause zu kommen. Ihre Resultate von 126,1 (S. Baier) und 123,9 km/h (Lotte) ermöglichten zusammen mit dem Rekordergebnis von A. Baier den erhofften Rundensieg.


Das LSG-Bundesligateam (v.l.n.r.): Friedhelm Lotte, Alexander Müller, Teamkapitän Andreas Baier (vorne), Johannes Baier, Georg Baier, Heiko Hertrich, Wolfgang Clas, Martin Brühl und Lothar Schmidt. Auf dem Bild fehlen Sebastian Baier, Uwe Förster und Sebastian Eder


Andreas Baiers Flug war dabei der beste Flug der Saison: Über die 2,5 Wertungsstunden hat er eine tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit (vor Verrechnung des Flugzeugtyps) von 163,18 km/h erreicht – das ist schneller als ein Auto auf einer Autobahn realistisch schaffen kann und in der Größenordnung von Formel-1-Rennen. Ein Segelflugzeug schafft eine solche Leistung aber ganz ohne Motor, nur mit der Energie aufsteigender Luft, in der das Flugzeug mit nach oben steigt. In den 2,5 Wertungsstunden hat Baier auf diese Weise eine Strecke von 407,95 km zwischen Rhön und dem Pilsener Becken in Tschechien zurück gelegt.


Löser, Nowrouz und Bachsteffel mussten ihren Umwegen Tribut zollen und konnten mit Ergebnissen um 110 km/h nicht entscheidend zum Mannschaftsergebnis beitragen, waren aber zur Risikominimierung und als Pfadfinder sehr wertvoll.

Als die Bayreuther Gesamtleistung von 388,3 km/h feststand, warteten all Piloten auf die Auswertung der Aalener Flüge, sowie die Ergebnisse aller anderen 28 Bundesligavereine. Als die Spannung bei Sonnenuntergang schier unerträglich wurde, meldete der Auswertungsserver plötzliche eine Überlastung und schaltete ab. Waren doch tausende Flüge zu berechnen und Millionen von Klicks zu bewältigen. Die ganze Segelflugwelt wollte schließlich alle paar Minuten den neuesten Tabellenstand wissen. Selten war ein Bundesligafinale so knapp und so spannend! Das Gefühl in Bayreuth nach Veröffentlichung des Endergebnisses am Montagmorgen, einige wurden mit in der Nacht von ihren Frauen geweckt, war dann wie ein Siegtor in der letzten Minute der Verlängerung der Nachspielzeit eines Fußballendspieles.


Zudem war nicht einmal das regionale Wetter entscheidend, wie es so oft während einer Saison vorkommt. Über der Schwäbischen Alb wurden Schnittgeschwindigkeiten über 130 km/h geflogen, genauso wie in der Taunusregion, oder um den Harz bis in den Fläming, südlich von Berlin. Die Chancen waren also für alle Konkurrenten gleich. So wurde knapp hinter Bayreuth die Fliegergruppe Wolf Hirth aus Kirchheim/Teck mit 383,1 km/h Rundenzweiter, Lichtenfels (376,1 km/h) Dritter. Zum Glück für Bayreuth konnten sich viele Nordvereine mit Leistungen zwischen 370 und 380 km/h noch gut platzieren, bis schließlich Aalen mit 363,7 km/h auf dem 10. Rundenplatz folgt. Platz acht hätte Aalen zur Titelverteidigung gereicht. Entsprechend enttäuscht wird man dort nun über den Tabellenstand von 260 Punkten sein, weil 2 Punkte auf Bayreuth (262) fehlen. Schwäbisch Gmünd stand schon vor der Finalrunde als Dritter fest. Gratulieren darf man auch dem Aeroclub Lichtenfels, der es als Aufsteiger und kleiner Verein mit 184 Punkten noch auf Platz vier geschafft hat. Schwandorf und Bamberg konnten in den letzten Runden nicht mehr mithalten und landen auf den Tabellenplätzen 10 und 11. Als letzter fränkischer Verein kann Ansbach auf Platz 24 einen sehr bitteren Abstieg leider nicht verhindern, weil bei Punktgleichheit mit Braunschweig nur 5 fehlende Stundenkilometer über die gesamte Saison den Ausschlag geben!


Die World-League wurde vor der Finalrunde schon mit 17 Punkten von Bayreuth angeführt. Dieser Vorsprung konnte mit dem abschließenden weltweiten Rundensieg noch einmal ausgebaut werden. Somit ist Bayreuth mit 510 Punkten als erster deutscher Verein zum zweiten Mal Weltmeister in der einzigen Weltliga, die es überhaupt in irgendeinem Sport gibt. Aalen erreicht mit 480 Punkten auch hier den Vizetitel. Der deutsche Zweitligist und jetzige Aufsteiger in die erste Liga aus Gifhorn kann mit 415 Punkten noch die sonst so erfolgreichen Amerikaner aus Moriarty/New Mexico vom Bronzerang verdrängen. Mit der Segelfluggruppe Steinwald aus Erbendorf ist auf Rang sieben ein weiterer deutscher Zweitligist weit vorne platziert. Zudem steigt damit ein weiterer Nachbarverein von Bayreuth in die erste Liga auf.


Die Bayreuther bereiten sich nun auf die Meisterfeiern vor und werden mit Stolz den dritten silbernen Stern für den Bundesligatitel und den zweiten goldenen Stern der World-League auf ihre Hemden nähen. Insgesamt haben sich 21 Mitglieder der Luftsportgemeinschaft an Bundesligaflügen beteiligt. Davon haben es während der 19 Wertungsrunden diesmal zehn geschafft mindestens einmal in die drei Piloten starke Mannschaft zu kommen: Martin Brühl, Wolfgang Clas, Uwe Förster, Heiko Hertrich, Friedhelm Lotte, Alexander Müller, Lothar Schmidt, die Fliegerfamilie Baier mit den Brüdern Andreas und Johannes und ihrem Neffen Sebastian, dazu mit Sebastian Eder ein Gastpilot aus Österreich, der seine Bayreuther Flüge für die LSG gemeldet hat.


Aber auch alle, die es nicht unter die besten drei geschafft haben, sind wertvoll, um die jeweilige Taktik und die Wahl der Flugstrecken zu optimieren. Einzig Teamchef Andreas Baier fehlte in keiner Runde und stellte selbst neun Mal die beste Bayreuther Leistung der Mannschaft zur Verfügung. Von 55 gewerteten Bundesliga-Flügen der LSG in dieser Saison sind 15 vom Teamcaptain. Das Team kam auf zwei Rundensiege und 12 weitere Platzierungen unter den 10 besten einer Runde ließen Bayreuth immer als Titeljäger erscheinen. Nachdem man ab der Runde zwei immer unter den Besten drei der Tabelle lag, gelang erst in Runde 13 die Übernahme der Tabellenführung. Diese wechselte dann noch mehrfach zwischen Aalen und Bayreuth, bis schließlich der beeindruckende und für die meisten Insider überraschende Rundensieg und Titelgewinn in der allerletzten Minute gelang. Eine großartige Bundesliga-Saison ist vorbei und für manche Teammitglieder geht es im Fliegerurlaub in den südfranzösischen Alpen direkt weiter.

Für die Luftsportgemeinschaft Bayreuth ist es nach 2002 und 2015 der dritte Bundesliga-Sieg und nach 2015 der zweite Sieg in der World League. Da es in keiner anderen Sportart eine funktionierende Weltliga gibt, kann sich die Segelfluggruppe der LSG Bayreuth nun auch stolz die beste Vereinssportmannschaft der Welt überhaupt nennen.

Der Meldeschluss für die World League läuft mit Blick auf die Zeitverschiebung zwar noch einen Tag länger bis Dienstag, 10 Uhr. Da der einzig verbliebene Titelkonkurrent LSR Aalen aber mit allen Piloten von seinem Heimatflugplatz angetreten war und deren Flüge auch Eingang in die 1. Bundesliga finden, sind nach Bundesliga-Wertungsschluss am Montag um 10 Uhr beide Titelkämpfe geklärt.


Die Siegerehrung findet am 6. Oktober an der Wiege des Segelfluges in Poppenhausen in der Rhön statt. Nachdem die Bayreuther Siegesflüge der letzten Runde auch durch die Rhön führten, ist dies für die LSG-Piloten natürlich ein sehr passender Ort zur Übernahme der Meisterschale.