LSG Bayreuth wird Dritter der 2. Liga und kehrt damit in die 1. Segelflug-Bundesliga zurück
Segelfliegen. Am letzten Wochenende der Segelflug-Ligen 2025 schaffen die Segelflieger der Luftsportgemeinschaft Bayreuth den Sprung auf den dritten Tabellenplatz der 2. Bundesliga – und sichern sich damit die Rückkehr in die 1. Bundesliga nach zwei Jahren Zweitklassigkeit. Möglich wurde dies durch drei schnelle Flüge von Klaus Gruber, Heiko Hertrich und Georg Baier, die der LSG einen zweiten Rundenplatz und neunzehn Punkte bescherten – gereicht hätte ein Punkt.
Die Ausgangslage vor dem Wochenende war bereits gut: Nur ein Punkt durch einen gültigen Wertungsflug hätte gereicht, um die Möglichkeit des Nicht-Aufstiegs auszuschließen. Nach vorne gab es aber noch die Möglichkeit vom vierten auf den dritten Platz vor zu rücken. Nachdem klar war, dass das Wetter Streckenflüge ermöglichen würde, ließ sich der Deutsche Meister von 2002, 2015 und 2018 nicht bremsen: Das Treppchen sollte schon noch drin sein.
Begünstigt war dies auch dadurch, dass die erste Gruppe an Piloten aus dem Sommerurlaub mit der Familie zurück gekehrt war und wieder ins aktive Geschehen eingreifen konnte. Sonntag war jedoch absehbar der bessere Tag des Wochenendes.
Zeitlich als erster stand Klaus Gruber um kurz vor halb eins am Start, jedoch an seinem Wohnort Beilngries. Für ihn ging es über das südliche Mittelfranken hinweg bis ins württembergische Künzelsau, zurück bis Schwabach, noch einmal die Autobahn 6 entlang bis westlich Ansbach und wieder heim. 105,60 km/h standen schließlich für Gruber in der Wertung. Damit wurde er schließlich zum schnellsten Bayreuther der neunzehnten Runde.
Am Bindlacher Berg waren erst eine gute Stunde später Wetterentwicklung und Thermikbedingungen soweit, dass die Mannschaft loslegen konnte: Um zwanzig nach eins ging mit Georg Baier derjenige an den Start, der auch in der Urlaubszeit die Stellung vor Ort gehalten hat. Er misstraute der Gebirgskante von Frankenwald und Thüringer Wald und blieb lieber etwas südlich, via Lichtenfels ging es für ihn bis ins unterfränksiche Saal an der Saale, zwischen Bad Neustadt und Bad Königshofen gelegen. Auch er folgte seiner Linie noch einmal zurück bis Thurnau und wieder westwärts bis in den Itzgrund, um am Ende den Erbendorfer Fliegerkollegen, als SFG Steinwald bereits seit letzter Woche Meister der 2. Bundesliga, noch einen fliegerischen Besuch abzustatten. 95,09 km/h bedeuteten das am Ende für Baier.
Kurz nach ihm startete auch Heiko Hertrich mit seiner Frau Susanne als Co-Pilotin. Die beiden folgten Baier zunächst in die nördliche Fränkische Schweiz, verlagerten ihren Kurs jedoch ab Lichtenfels mehr nach Norden bis in die Gleichberge im südlichen Thüringen. Ihre zweite Teilstrecke führte sie zurück bis Heinersreuth, um von dort aus nochmal nach Nordwesten die bewährte Strecke bis Coburg zurück zu fliegen und schließlich mit Rückenwind ebenfalls in die Oberpfalz zu brausen. Zwischen Erbendorf und Tirschenreuth ging es für sie auf den Heimweg nach Bayreuth. Mit 105,40 km/h waren die Hertrichs schließlich fast gleichauf mit Gruber. Somit standen für das Team der LSG am Sonntag Abend 306,08 km/h in der Wertung. Für Ende August ein sehr ansehnlicher Wert, um einiges besser als manches Wochenende im diesjährigen Hochsommer.
Für den Aufstieg hätte ein gültiger Flug gereicht, diese Frage war also aus Sicht der Piloten schon quasi abgehakt. Spannend war, wie sich die LSG im Vergleich zum Tabellenumfeld schlug und was das für die Platzierung bedeutete. Vor allem im Blick: Der FCC Berlin, langjähriger Erstliga-Konkurrent und erst vor wenigen Wochen noch Sommerlager-Gast am Bindlacher Berg – und vor allem nach Runde 18 Tabellendritter. Doch zum Wertungsschluss lag kein einziger Flug aus Berlin vor: Das Wetter war im Nordosten deutlich schlechter, die Wettebewerbssaison mit Starts an anderen Orten ist ebenfalls vorbei und der Wiederaufstieg war für Berlin bereits letzte Woche gesichert – offenbar fehlte in der Hauptstadt somit auch der Druck, Platz drei zu verteidigen.
Nachdem der Blick in den letzten Wochen vorwiegend auf die Tabellenplätze hinter Bayreuth gerichtet war (nach dem Motto „Reicht es für den Aufstieg oder holen die Verfolger uns noch ein?“), war so auf einmal sogar noch eine weitere Verbesserung des Tabellenplatzes bis aufs Treppchen möglich.
Ein zweiter Rundenplatz mit neunzehn zusätzlichen Punkten bedeuteten die 306 km/h schließlich für Bayreuth und damit genug, um an den Berlinern vorbei zu ziehen. Die Abschlusstabelle der 2 Segelflug-Bundesliga 2025 sieht die LSG Bayreuth auf Rang drei. Nach dem verregneten Juli gelingt es der LSG damit auch ein Stück weit überraschend, den Bronzerang der 2. Bundesliga zu sichern.
Unter den fünf Bayreuther Spitzenmannschaften, die 2023 aus ihrer Liga abgestiegen waren, sind die Segelflieger somit die einzigen, die sich in ihre Klasse zurückkämpfen konnten. Zu verdanken ist dies vor allem den alten Hasen im Team: Hertrich und Baier gehören bereits seit Beginn der Bundesliga-Fliegerei im Jahr 2002 zu den Leistungsträgern, Hertrich hat heuer in zehn Runden für die Wertung gepunktet, Baier in sechs.
Ebenso von Anfang an dabei ist Georg Baiers Bruder Johannes und seit Mitte der 2000er Georgs Sohn Sebastian. Gerade in den letzten Jahren entwickelte sich das Bundesliga-Team der LSG aber auch zu einem Netzwerk mit Bayreuth seit Jahren freundschaftlich verbundener Piloten. Mit Klaus Gruber (Beilngries), Jürgen Schuster (Ansbach) und Waltraud Wilden (Aachen) meldeten einige Piloten ihre Flüge für die LSG Bayreuth, die zwar regelmäßig am Bindlacher Berg zu Besuch sind, aber ihre fliegerische Heimat eigentlich woanders haben.
Rundensieger wurde schließlich das Isar Segelflug Team aus dem oberbayerischen Königsdorf, das sich ebenfalls über den Aufstieg freuen kann. Zweitligameister SFG Steinwald aus Erbendorf wurde noch einmal fünfter, der erste Tabellenplatz war den Oberpfälzern aber bereits letzte Woche nicht mehr wegzunehmen.
Ein kleines Drama spielte sich noch im westlichen Württemberg ab: Der FG Freudenstadt gelang ein siebter Rundenplatz, der eigentlich den siebten Tabellenplatz hätte verteidigen sollen, doch nachdem die FG Leibertingen, zu Hause am Übergang vom Schwarzwald zur Schwäbischen Alb, Rundenvierter wurde, zogen sie in der Tabelle an Freudenstadt vorbei und verdrängten sie von den Aufstiegsplätzen.
Neben Bayreuth und Steinwald steigen somit der FSV Mössingen als Tabellenzweiter, das Isar Segelflug Team, der SFC Schwäbisch Hall, der FCC Berlin und die FG Leibertingen auf.
In der 1. Bundesliga stand der FSC Odenwald Walldürn bereits seit letzter Woche als Meister fest. Mit Bamberg, Lichtenfels, Hersbruck, Weiden, Schwandorf und dem SFZ Ottengrüner Heide (Helmbrechts) haben alle nordbayerischen Vereine den Klassenerhalt geschafft, so dass im nächsten Jahr mit Bayreuth und Steinwald 8 von 30 Erstligisten aus Nordbayern kommen werden.
Den Gang in die zweite Liga muss dagegen Rekordmeister LSV Burgdorf aus Niedersachsen antreten.
In der World League war der sechste Titel in Folge für den Minden Soaring Club aus Nevada, USA, bereits seit drei Wochen besiegelt. Der Rundensieg der letzten Runde ging jedoch nochmal nach Deutschland an die SFG Donauwörth-Monheim mit 371,40 km/h, während Bayreuths 306 km/h einen 23. Rundenplatz mit 18 zusätzlichen Punkten einbrachten. In der Abschlusstabelle der Weltliga kommt Bayreuth damit auf einen versöhnlichen 35. Rang – und kann damit am Schluss noch die Nachbarn aus Bamberg (37.) überholen, auf die die LSG im kommenden Jahr auch in der 1. Bundesliga wieder treffen wird. Im Luftraum über Oberfranken begegnen sich die Piloten beider Teams ohnehin regelmäßig.