Nach Verzögerungen kann die Segelflug-Bundesliga 2026 doch starten
Segelfliegen. Nach einer langen Hängepartie, ob die diesjährigen Segelflug-Ligen überhaupt starten werden, verkündete das Wertungsportal onlinecontest.org am Mittwoch, dass eine Lösung für die Saison 2026 gefunden sei und der Ligabetrieb am 2. Mai startet. Damit können auch die Wiederaufsteiger von der LSG Bayreuth ihre Rückkehr in die 1. Bundesliga endlich abschließen und loslegen.
Hintergrund der Verzögerungen ist der laufende Generationswechsel im hinter dem Onlinecontest (OLC) stehenden, ehrenamtlich tätigen Team. OLC-Gründer Reiner Rose aus Hersbruck war bereits länger auf der Suche nach einem Nachfolger, doch zu einer tatsächlichen Übergabe kam es jeweils nicht. Zweimal hat Rose bereits das Ende seines Projekts auf der Website verkündet, zuletzt am 17. April, dem Freitag vor dem regulären Liga-Start. Doch jetzt scheint es so, dass die im Hintergrund laufenden Rettungsbemühungen zumindest einen Erfolg für die diesjährige Saison gebracht haben. Wie genau diese Lösung jetzt aussieht, wurde nicht veröffentlicht, außer, dass ein Sponsor die Kosten bis Ende September trägt.
Für die Bayreuther Segelflieger, von 2002 bis zum unglücklichen Abstieg 2023 ein Urgestein der 1. Bundesliga mit drei Meistertiteln, ist das zunächst einmal eine frohe Kunde: Nach dem Wiederaufstieg im letzten Herbst kam schnell die Erkenntnis, dass es so enden könnte, wie es kurzzeitig auch aussah: Aufstieg geschafft, aber keine 1. Liga mehr. Schließlich wusste man am Bindlacher Berg um die Situation in Hersbruck. Letztlich war in dieser Ungewissheit auch der Grund verborgen, warum es keine Wiederaufstiegsfeier gab und selbst bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres des Nordbayerischen Kuriers traute sich die LSG nicht, wie in der Vergangenheit, die überregionale Fliegerszene als Unterstützer zu aktivieren.
In der Segelflug-Bundesliga geht es darum, in einem Zeitfenster von 2 Stunden eine möglichst große Durchschnittsgeschwindigkeit bzw. Streckenlänge zu erzielen. Die Piloten müssen dabei Aufwinde und Rückenwinde möglichst gut einschätzen und auch während des Fluges flexibel für die aktuelle Wetterentwicklung bleiben. Gewertet werden schließlich pro Verein die drei besten Piloten eines Wochenendes. Pro Wochenende erhält der schnellste Verein in der 1. Bundesliga 20 Punkte, in der World League 50, der zweitplatzierte jeweils einen weniger und so fort.
Die Piloten erreichen dabei nicht selten Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 100 km/h über die 2 Stunden. Was mit dem Auto selbst auf der Autobahn nicht selbstverständlich ist, müssen die Segelflieger ganz ohne Motor schaffen, nur getragen von der Kraft der Sonne und der Gleitflugleistung ihrer Flugzeuge. Die Flieger sind hierfür meistens sogar deutlich länger unterwegs, so dass die insgesamt geflogene Strecke häufig zwischen 500 und 1.000 km liegt. Für die Bayreuther ist damit der gesamte süddeutsche Luftraum die Wettkampfarena, ebenso wie die angrenzenden Gebiete Tschechiens, Österreichs und manchmal sogar Polens.
Der OLC ist ein kleines Kuriosum in der organisierten Sportwelt: Nachdem Rose Ende der 90er in den Verbandsstrukturen mit seiner Idee nicht durchkam, die Wertung von Streckenflügen GPS-gestützt und internetbasiert durchzuführen, gründete er den Onlinecontest schließlich außerhalb von Verbandsstrukturen – und legte trotzdem immer Wert darauf, dass sein gesamtes Team rein ehrenamtlich tätig ist. Die technische Überlegenheit seiner Plattform zwang die Verbände weltweit aber sehr schnell zu einer Zusammenarbeit mit ihm und machte den Segelflugsport schon in der Frühzeit des Internets zu einer perfekten Symbiose aus klassischer Sportausübung und digitaler, öffentlich vollständig nachvollziehbarer Wertung, quasi ein Zwitter aus klassischem Sport und e-Sport. Die in den Jahrzehnten zuvor praktizierten Auswertungen mit Wendepunktfotos und Barometer-Höhenmitschrieben waren innerhalb kürzester Zeit gar nicht mehr vorstellbar, da nun endlich die Ergebnisse der einzelnen Flüge am selben Abend verfügbar waren, natürlich online. Zuvor war die Siegerehrung der dezentralen Streckenflugwettbewerbe im Herbst quasi eine Wundertüte für die Teilnehmer.
Das Prinzip, wonach jeder an dem Flugplatz starten kann, wo er gerade ist und am Ende nur die Datei seines Flugschreibers in das Internetportal lädt, brachte den Segelflug schließlich sogar an einen Punkt, wo er allen anderen Sportarten bis heute überlegen ist: Der Segelflug verfügt dank des Onlinecontests über die einzige funktionierende und die gesamte Saison abdeckende Weltliga in überhaupt irgendeiner Sportart. Das Prinzip: Die Flugwertungen für die nationalen Ligen können auf internationaler Ebene ein zweites Mal in einen Vergleich der einzelnen Vereine gesetzt werden. Hier war der Weltverband FAI sogar von Anfang mit im Boot und gab der Liga den Segen durch seine Internationale Segelflugkommission IGC, während die nationalen Ligen immer eigene Veranstaltungen des OLC geblieben sind. Somit war auch die LSG Bayreuth zwei Mal, 2015 und 2018, Sieger der Weltliga und damit rein formal die beste Vereins-Sportmannschaft der Welt (zumindest soweit man eine Ligawertung als wertiger als Pokalwettbewerbe mit K.O.-Ausscheidungen ansieht, was aber gerade in den Ballsportarten in der Regel so gesehen wird).
Für die Saison 2026 bleibt jetzt abzuwarten, wie sich das Hin und Her des Veranstalters auf die praktische Durchführung im neuen Jahr auswirkt. Das Saisonziel der LSG Bayreuth sollte jedoch klar sein: Klassenerhalt – einerseits sportlich und andererseits so, dass es organisatorisch auch nach der Saison 2026 noch weitergeht mit der Segelflug-Bundesliga.
