Mit Martin Brühl hat ein prägendes Mitglied der Luftsportgemeinschaft Bayreuth seine letzte Reise angetreten.
Martin gehörte seit 1992 zur LSG Bayreuth. Als Pilot, Fluglehrer und Organisator hat er in dieser Zeit den Verein und besonders die Segelfluggruppe mitgeprägt und vielen Menschen fliegerische Erlebnisse beschert, die eng mit seinem Namen verbunden sind.
Auch aus seiner Zeit als Werkstattleiter ist eines besonders hängen geblieben: „Mit Martin hat es einfach Spaß gemacht.“ Er war fachlich enorm kompetent, hatte einen guten Draht zu den jungen Leuten und wusste zugleich genau, wann die notwendige Ernsthaftigkeit gefragt war.
In seiner Zeit als Vorsitzender der Segelfluggruppe hatte Martin klare Vorstellungen davon, wie sich die Gruppe entwickeln sollte. Er konnte weit vorausdenken, Entscheidungen treffen – und diese auch konsequent vertreten. Damit hatte er auch entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung unserer Segelflugzeugflotte. Nach dem überraschenden und viel zu frühen Tod seiner ersten Ehefrau musste er dieses Amt 2006 kurzfristig abgeben und für seine Kinder da sein. Doch selbst dieser Schicksalsschlag führte nur zu einem vorüber gehenden Rückgang seines Engagements. 2008 war er als Sportleiter schon wieder einer der Köpfe hinter dem Internationalen Bayreuth-Wettbewerb.
Martin konnte hohe Ansprüche haben, ohne den Menschen gegenüber hart zu werden.
Er konnte Verantwortung übernehmen, ohne daraus viel Aufhebens zu machen.
Und er konnte seine Erfahrung weitergeben, ohne anderen das Gefühl zu geben, dass nur einer im Raum weiß, wie es geht. Und er war jemand, der selbst mit anpackte.
Ein besonders sichtbares Beispiel dafür stammt aus der Vorbereitung der Segelflug-Weltmeisterschaft 1999 in Bayreuth: Die Behörden machten eine neue Abwasserleitung des Flugplatzgeländes zur Bedingung für ein solches Event. Was mancher im Verein als K.O. für die WM-Pläne sah, machte Martin sich zur Aufgabe: Die auf seine Planung zurück gehende Abwasseranlage entsorgt bis heute zuverlässig das Abwasser aller Flugplatznutzer.
Auch bei der Organisation der Internationalen Bayreuth-Wettbewerbe brachte Martin seine Erfahrung ein und übernahm immer wieder Verantwortung – als Wettbewerbsleiter ebenso wie als Sportleiter.
Bei all seinem Engagement für den Verein war Martin auch selbst ein leidenschaftlicher und erfolgreicher Flieger.
Schon in der frühen Zeit der Segelflug-Bundesliga gehörte Martin zu denen, die den Wettbewerb in Bayreuth mit vorantrieben. Über viele Jahre gehörte er zu jener Generation von Bayreuther Segelfliegern, die unsere LSG national und international außerordentlich erfolgreich gemacht hat. Er flog selbst Wettbewerbe und gehörte zu der Mannschaft, die 2015 und 2018 jeweils sowohl die Segelflug-Bundesliga als auch die Weltliga gewann.
Auch dabei war sein Gemeinsinn immer wieder zu spüren. An jenem legendären 03. Juli 2010, als ein 1.200-km-Flug ab Bayreuth das Langstreckenfliegen in Deutschland neu belebt hat und ein anderer Vereinskamerad erstmals die 1.000 km überschritten hat, sprang er morgens als Schlepppilot ein. Dadurch konnte er bei bestem Wetter erst nach zwölf Uhr selbst starten – logischerweise an der Winde. Dennoch standen abends für ihn 761 km und die beste Bundesliga-Wertung der LSG im OLC. Im Gegensatz zu den anderen beiden hat er es abends noch auf die Geburtstagsfeier eines Fliegerkameraden geschafft.
Ein zweites fliegerisches Betätigungsfeld war der Kunstflug. Zunächst der Segelkunstflug, nach dem Kauf einer Pitts auch der Motorkunstflug. Mit der Präzision und Akribie, die wir von ihm kannten, hat er so gezielt trainiert, dass er 2019 mit 61 Jahren Deutscher Meister im Motorkunstflug in der Sportsman-Klasse wurde – bei seiner ersten DM-Teilnahme.
Für sein jahrzehntelanges Engagement und seine Verdienste um die LSG wurde Martin 2025 zum Ehrenmitglied ernannt.
Auch als Martin sich aus der aktiven Fliegerei zurückziehen musste, blieb er dem Verein eng verbunden.
Als er bereits erkrankt war und vieles für ihn schwieriger geworden war, sprang er beim Fluglager noch als Windenfahrer ein oder bot sich als Rückholer an.
Und noch in diesem Jahr entschuldigte sich Martin dafür, dass er beim Tag der offenen Tür am Flugplatz nicht mithelfen konnte.
Nicht einfach nur das Gewohnte zu tun, weil man es immer so gemacht hat. Sondern eine Situation selbst zu beurteilen, pragmatisch zu denken und die passende Lösung zu finden. Das hat Martin uns, seinen Freunden, mit auf unsere Wege gegeben.
Mehr als drei Jahrzehnte hat Martin unsere LSG geprägt. Manches davon ist bis heute auf unserem Flugplatz sichtbar. Anderes lebt in dem weiter, was er Menschen beigebracht und mitgegeben hat. Am 2. August hat er seine letzte Reise angetreten.
Martin wird uns fehlen.
Der Vorstand der Luftsportgemeinschaft Bayreuth e.V.
