Start der Segelflug-Bundesliga 2023

Bayreuth, 14.04.2023

Für Bayreuths Mannschaft des Jahrzehnts beginnt die neue Saison

Segelfliegen. Für Bayreuths Segelflieger wird es wieder ernst: Das dritte April-Wochenende markiert alljährlich den Beginn der Segelflug-Ligen. Die Luftsportgemeinschaft tritt ab dem 15. April wieder sowohl in der 1. Segelflug-Bundesliga als auch in der Weltliga an. Parallel startet auch die Ausbildung neuer Flugschüler in die neue Saison.

Bei den Segelflug-Ligen geht es darum, in einem Zeitfenster von 2,5 Stunden eine möglichst große Durchschnittsgeschwindigkeit bzw. Streckenlänge zu erzielen. Die Piloten müssen dabei Aufwinde und Rückenwinde möglichst gut einschätzen und auch während des Fluges flexibel für die aktuelle Wetterentwicklung bleiben. Gewertet werden schließlich pro Verein die drei besten Piloten eines Wochenendes. Pro Wochenende erhält der schnellste Verein in der 1. Bundesliga 20 Punkte, in der World League 50, der zweitplatzierte jeweils einen weniger und so fort. Jeder Pilot kann dabei starten, wo er möchte, zur Wertung wird die Aufzeichnung des Flugschreibers ins Internetportal www.onlinecontest.org geladen.

Die Piloten erreichen dabei nicht selten Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 100 km/h über 2,5 Stunden. Was mit dem Auto selbst auf der Autobahn nicht selbstverständlich ist, müssen die Segelflieger ganz ohne Motor schaffen, nur getragen von der Kraft der Sonne und der Gleitflugleistung ihrer Flugzeuge. Die Flieger sind hierfür meistens sogar deutlich länger unterwegs, so dass die insgesamt geflogene Strecke häufig zwischen 500 und 1.000 km liegt. Für die Bayreuther ist damit der gesamte süddeutsche Luftraum die Wettkampfarena, ebenso wie die angrenzenden Gebiete Tschechiens, Österreichs und manchmal sogar Polens.

2002, 2015 und 2018 konnten die Bayreuther die 1. Bundesliga gewinnen, 2015 und 2018 auch die World League. Bei dieser Weltliga zahlt sich das Prinzip dezentraler Startorte voll aus: Statt national wie in der Bundesliga, werden die Flugdaten eines Wochenendes einfach weltweit in Konkurrenz zueinander gesetzt. Auf diese Weise ist Segelfliegen die einzige Sportart überhaupt mit einer funktionierenden Weltliga.

Schwierig ist dieses Jahr das Thema Saisonziel. Auf der einen Seite macht es Hoffnung, dass sich im letzten Jahr einige jüngere Piloten wie Frederik Köhne und Sebastian Leber mit mehreren sehr guten Wertungen im Team profiliert haben. Auf der anderen Seite werden die Bayreuther Segelflieger an mindestens drei Wochenenden nur stark eingeschränkt Bundesliga fliegen können: In den Pfingstferien steht für die Luftsportgemeinschaft die Ausrichtung der Deutschen Segelflug-Meisterschaften an. Im Gegensatz zur dezentralen Teamwertung der Bundesliga ist die DM ein zentraler Wettbewerb für Einzelpiloten, also ein Format, bei dem alle Piloten am gleichen Ort starten und die gleiche Strecke zu umrunden haben. Außer den beiden Bayreuther DM-Teilnehmern Alexander Müller und Uwe Förster wird das gesamte restliche Team am Boden für die Organisation und Abwicklung gebraucht. Teamkapitän Heiko Hertrich, auf der DM selbst als sportlicher Leiter im Einsatz, hält den Ball daher flach: „Nicht abzusteigen ist erstmal das wichtigste und alles weitere muss das Wetter zeigen.“

Daneben sind viele Mitglieder des Bundesliga-Teams auch als Fluglehrer ehrenamtlich im Einsatz und somit auch tageweise gebunden. Jungen Menschen ab 14 das Segelfliegen beizubringen ist schließlich seit jeher eine der tragenden Säulen des Vereinslebens der LSG. Das ermöglicht immerhin einen Einstieg, wie man ihn in kaum einer anderen Sportart schaffen kann: Direkt von den Bundesliga-Meistern lernen.