Segelflieger kommen weiterhin nicht von der Stelle

17.07.2023

Bundesliga-Team bleibt im unteren Mittelfeld

Segelfliegen. Warmluft klingt erstmal mollig warm, doch in der Wetterkunde hat Warmluft nicht nur schöne Seiten. Für die Segelflieger kommt es vor allem darauf an, wie sich die Temperatur mit der Höhe entwickelt. Und da bringen Warmluftwetterlagen häufig Verhältnisse mit sich, wo die Temperatur auch in der Höhe größer ist als normal zu erwarten wäre. Unter solchen Bedingungen findet weniger Luftaustausch von unten nach oben statt. Am Boden führt das zu „stickiger“ Luft, die Segelflieger spüren vor allem, dass es weniger Thermik gibt.

Anhand der Vorhersagen war somit frühzeitig klar, dass das vergangene Wochenende ein mühsames Geschäft für das Bayreuther Bundesliga-Team wird. Am Bayreuther Flugplatz probierten es am Samstag somit nur Daniela Mühlbacher und Hans Berr, die mit Flügen im Bereich der Fränkischen Schweiz auf Bundesliga-Wertungen zwischen 70 und 76 km/h kamen.

Besser erging es Sebastian Leber, der schon unter der Woche verkündete, dass er an seinen Alpenfluglehrgang in Ohlstadt bei Murnau noch einen Tag dran hängen würde, um von dort aus Bundesliga zu fliegen. Dabei ging er mehrfach bis an den Alpenhauptkamm heran: In einem ersten Teilstück flog er in einem großen Bogen bis hinter Landeck, wieder nach Norden bis Reutte, das Lechtal hinauf bis kurz vor Warth und wieder zurück Richtung Staffelsee. Für die Bundesliga ergab das 84,41 km/h.

In den Sonntag hatten viele keine größeren Hoffnungen gesteckt. Doch Frederik Köhne hat bewiesen, dass es auch ab Bayreuth ging. Bei einem geometrisch betrachtet 345 km langen Dreiecksflug bis an die Landesgrenze zu Baden-Württemberg westlich von Ansbach und weiter bis kurz vor Suhl wollte er eigentlich direkt nach heim nach Bayreuth fliegen. Bei Sonneberg merkte er jedoch, dass er noch Zeit übrig hatte und die Verhältnisse am Thüringer Wald besser waren. So machte er für die Bundesliga-Wertung noch einmal kehrt. So flog er noch einmal bis kurz vor Suhl und machte aus 345 km des Dreiecksflugs 454 km tatsächlich geflogene Strecke (gemessen nach dem Sechs-Schenkel-Prinzip des Wertungsportals onlinecontest.org). So sprangen für die Bundesliga etwas überraschend 95,41 km/h heraus, die beste Bayreuther Wertung des Wochenendes.

Am Thüringer Wald unterwegs war ebenfalls Johannes Baier. Er war jedoch gleich an seinem Wohnort Rudolstadt gestartet. Er flog jedoch zunächst nach Osten bis Zwickau und blieb dann auch nördlich des Gebirges und flog weiter bis Duderstadt in Niedersachsen, südlich des Harzes, um am Ende nur südlich von Gotha ein kurzes Stück Thürigner Wald mitzunehmen. Mit 81,53 km/h blieb er jedoch unter den Wertungen von Leber und Köhne, zog aber als dritter in die Bundesliga-Mannschaft des Wochenendes ein.

Die Summe von 261,35 km/h reicht im Vergleich der 1. Bundesliga nur für einen 16. Rundenplatz mit 5 Punkten. Da ist es auch nur ein schwacher Trost, das mit Weiden, Bamberg und Schwandorf drei nordbayerische Nachbarn noch hinter Bayreuth liegen, ebenso wie Tabellenführer Straubing. Besonders Schwandorf trifft der letzte Rundenplatz als bisheriger Tabellenzweiter hart, die Oberpfälzer liegen nun auf Gesamtrang vier. Andererseits zeigt Rundenplatz acht der SFG Steinwald aus Erbendorf mit sehr ungewöhnlichen Routen entlang der tschechischen Grenze, was bei unkonventionelelr Routenwahl gegangen wäre. Rundensieger wurde der Titelverteidiger aus Rinteln mit 380,45 km/h.

In der Tabelle klettert Bayreuth von Rang 20 auf 19, kann aber weiterhin keinen größeren Abstand zu den Abstiegsplätzen (ab 24) gewinnen. Straubing bleibt Tabellenführer mit allerdings nur noch 15 Punkten Vorsprung vor dem neuen Verfolger Walldürn.

International kommt für Bayreuth noch ein Flug von Heiko Hertrich aus seinem französischen Urlaubsdomizil La Motte du Caire in den Alpen hinzu. Ein Flug entlang der italienischen Grenze bis zum Blick aufs Mittelmeer ginig mit 97,14 km/h in die Bayreuther Wertung ein. Die Summe von 276,96 km/h für Bayreuth reicht in der World League zu Rundenplatz 28 mit 13 Punkten. Rundensieger wurde erneut der Tabellenführer aus Minden, Nevada (USA) mit überragenden 434,43 km/h, die Rintelner folgen mit 50 Km/h Abstand. Minden bleibt damit auch Tabellenführer vor Rinteln und kann evtl. nächste Woche schon die Weltmeisterschaft feiern. Die LSG Bayreuth klettert auch in der Weltliga um einen Platz nach oben auf Rang 24 von 876.